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Mit 5130 Anschlägen zum Sieg gerast

 

Eigentlich ist Mathias Wirth aus der FAE 3 ein eher zurückhaltender Mensch. Setzt man ihn jedoch an die Tastatur eines Computers, ist er nicht mehr zu halten. 513 Anschläge pro Minute brachte er beim Bayerischen Schülerleistungsschreiben 2018 auf den Bildschirm und wurde damit in den Kategorien Texterfassung (PC mit Korrektur) und Textorganisation uneinholbar zum Landessieger sämtlicher Berufsschulen in Bayern.

 

Prompt folgte eine Einladung zu einem Empfang Anfang Dezember am Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, wo Mathias neben Glückwünschen von Ministerialdirigentin Elfriede Ohrnberger und der Vorsitzenden des Bayerischen Stenografenverbands, Gerlinde Lanzinger (auf dem Foto rechts), auch eine Urkunde und einen kleinen Geldpreis entgegennahm. Begrüßt wurde die Gruppe der Gesamtsieger von Ltd. Ministerialrat Konrad Huber MPhil; für flotte Unterhaltung sorgte die Brass-Band der Staatlichen Realschule Neubiberg.

 

Für Mathias war es eine besondere Genugtuung, dass er sich bei der Gesamtzahl der Anschläge in der zehnminütigen Prüfung nur einem einzigen Kandidaten geschlagen geben musste. Außer den beiden konnte keiner die 5000-Anschläge-Marke knacken. Einziger Wermutstropfen bei all der Freude: Willi Baierl, Mathias’ Lehrer, konnte krankheitsbedingt nicht mit zum Empfang nach München fahren, ist aber deshalb auf seinen Schüler nicht weniger stolz.

 

Andrea Hielscher, Dezember 2018 (Bilder: StMUK München)

 

 

 

 

Die Geburtsstunde des Simultandolmetschens

 

Von November 1945 bis Oktober 1946 fand in Nürnberg vor dem Internationalen Militärgerichtshof der sogenannte „Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher“ statt. Hochrangige deutsche Politiker, Militärangehörige und NS-Funktionäre, die sich während des Zweiten Weltkriegs Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht hatten, sollten in diesem Prozess verurteilt werden.

 

 

 

Doch warum interessierte sich die Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen in Weiden für dieses Thema?

 

Da Deutschland zu dieser Zeit in vier Besatzungszonen unter britischer, amerikanischer, russischer und französischer Verwaltung aufgeteilt war, musste der Prozess neben Deutsch in weiteren drei Sprachen durchgeführt werden. Dies bedeutete, dass alle Prozessbeteiligten auf Dolmetscher angewiesen waren. Doch jede Aussage, Anklageschrift und Verteidigungsrede jeweils in drei Sprachen nacheinander zu dolmetschen hätte den Prozess um einiges verlängert und wichtige Details wären eventuell verloren gegangen. So kam erstmals Dolmetschtechnik zum Einsatz, die Dolmetschern die Möglichkeit bot, mit Mikrofon und Kopfhörer simultan zu arbeiten.

 

Wie das Ganze vor 72 Jahren genau ablief, wollten sich die Klassen der Fachakademie Weiden genauer anschauen. Es bot sich die Möglichkeit, die vom BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer) Landesverband Bayern e.V. erstmals im Jahr 2000 ins Leben gerufene Fotoausstellung zu diesem Thema im Amtsgericht in Erlangen zu besuchen. Anke Betz, die auch im BDÜ tätig ist, organisierte die Fahrt Mitte Oktober für die Klassen FAE 1, 2 und 3 sowie die arabische Integrationsdolmetscherklasse.

 

Nach einer sehr spannenden und aufschlussreichen Einführung in die Geburtsstunde des Simultandolmetschens durch Dr. Theodoros Radisoglou, der die Ausstellung konzipiert und überhaupt erst ermöglicht hatte, konnten wir uns die Bilder ansehen. Dr. Radisoglou ist selbst staatlich geprüfter Dolmetscher und Übersetzer und konnte so nicht nur dank seines immensen Fachwissens, sondern auch durch seine aufgeschlossene und zuvorkommende Art viele Fragen beantworten. Nach einem etwa 90-minütigen Vortrag durften wir die Fotos aus nächster Nähe betrachten.

 

Die Wanderausstellung zeigt jeweils bis zu 70 Fotos des US-amerikanischen Militärfotografen Ray D’Addario (1920-2011), der im Jahr 1945 mit dem Auftrag nach Deutschland kam, den Kriegsverbrecherprozess visuell zu dokumentieren. D’Addario, der durch sein Objektiv Weltgeschichte beobachtete, lichtete 1945 im „Saal 600“ des Nürnberger Justizgebäudes Nazi-Größen wie Göring, Heß oder Speer ab. Diese Aufnahmen sind in vielen Geschichtsbüchern und Dokumentationen abgedruckt. Uns blieb von der Ausstellung besonders die Fotografie „Das Fräulein mit der roten Jacke“ im Gedächtnis – es zählt zu den schönsten Exponaten der BDÜ-Fotoausstellung und zeigt Elly Kupfer, die damals als Sekretärin beim Internationalen Militärtribunal in Nürnberg arbeitete, bei der Dolmetschanlage. Mehr Informationen zur Ausstellung gibt es im Internet unter https://by.bdue.de/ueber-uns/bdue-fotoausstellung/.

 

Nach diesem Rundgang und der Möglichkeit des gegenseitigen Austauschs fuhren wir wieder mit dem Bus zurück zur Fachakademie. Alles in allem war es ein sehr schöner und gelungener Ausflug, auf den wir als angehende Übersetzer und Dolmetscher gerne zurückblicken.

 

Christina Peetz / Anke Betz, Oktober 2018

 

 

 

 

Die Grammatik lässt die Köpfe rauchen: Weidener und Pilsener Schüler kämpfen um korrekte Kommunikation.

Traditioneller Ausflug der SSINFIS nach Weiden:

 

Kampf mit Artikeln und Akkusativ

 

Der Pilsener Bezirk hat Geld und dazu ein Herz für seine Schulen. Deshalb leistet sich die Partnerschule der Fachakademie, die SŠINFIS, jeden Herbst einen Ausflug nach Weiden. Mitte November kam ein Bus mit 30 jungen Pilsenern, die die Stadt kennenlernen wollten. Neun davon hatten Interesse am Tschechischunterricht an der Fachakademie und setzten sich daher mit ins Klassenzimmer des 1. Jahrgangs zum Anfangsunterricht.

 

Mit vereinten Kräften brachten die Deutschlehrer aus Pilsen, Leona Jiránková und Ondrej Janda, sowie Tschechischlehrerin Andrea Hielscher eine deutsch-tschechische Konversation in Gang, die vom einfachen Kennenlernen bis hin zu grammatikalischen Fallstricken der beiden Sprachen reichte. So kämpften die Akademie-Schüler bei der Beschreibung ihrer Familien tapfer mit dem Akkusativ, während sich die Tschechen redlich um korrekte bestimmte und unbestimmte deutsche Artikel bemühten. Dabei flackerte durchaus so etwas wie Verständnis für die Nöte der Lerner der jeweils anderen Sprache auf – sowohl Tschechisch als auch Deutsch haben den Ruf, nicht einfach zu sein. Trotzdem war das Eis schnell gebrochen und Leona Jiránková freute sich sichtlich an den Leistungen ihrer Schüler: „Sie bekommen von mir alle eine mündliche Eins.“

 

Mit einem bayerisch-böhmischen Kaffeetrinken im Stadtzentrum, wobei Englisch die Unterhaltung wesentlich erleichterte, klang der Besuch in der Oberpfalz aus. Das nächste Partnerschultreffen findet kurz vor Weihnachten in Pilsen statt, wenn die FAE 2 zu einem dreitägigen deutsch-tschechischen Camp nach Westböhmen aufbricht.

 

Andrea Hielscher, November 2018

 

 

 

 

Kurz vor Prüfungsbeginn: Die Kandidaten der Fachakademie, der Europa-Berufsschule und der Bayerischen Polizei stellen sich am 1. Prüfungstag gemeinsam mit dem CCE-Team aus Prag zum Gruppenfoto.

CCE-Prüfungen an der Fachakademie:

 

Tests auf allen Niveaus und ein einsichtiges Baby

 

Anfang November kommt für Tschechisch-Lerner regelmäßig die Stunde der Wahrheit – die tschechischen Zertifikatsprüfungen (CCE) stehen auf der Agenda. Dieses Jahr reiste das Prüfungsteam der Prager Karls-Universität zum sechsten Mal an die Weidener Fachakademie, wo zum CCE-Termin 2018 sämtliche Niveaus des Europäischen Referenzrahmen für Sprachen getestet wurden. Zum Niveau A1 traten neben sechs Studierenden der FAE 2 auch zwei Schülerinnen der WIN 12a und 12b sowie acht Beamtinnen und Beamte der Bayerischen Polizei an. Für einen von ihnen bedeutete dieser Tag gleich doppelten Stress, denn genau auf den 8. 11. hatten die Ärzte den Geburtstermin für das zweite Baby festgelegt. Mutter und Kind waren aber offenbar der Ansicht, der werdende Vater solle seinen Tschechischkurs angemessen abschließen, und verlegten das freudige Ereignis auf einen späteren Zeitpunkt.

 

Den Prüfungen zum anspruchsvollen Niveau C1, das ein Hochschulstudium in allen Fachrichtungen ermöglicht, stellte sich Frederic Ohnhauser. Er hatte im vergangenen Jahr B2 bestanden und wagte sich nun einen Schritt weiter. Seine reine Testzeit betrug fast viereinhalb Stunden und nötigte ihm einiges an Konzentration ab.

 

Am zweiten Tag stellten sich dann vier Studierende der FAE 3 und FAE 2 der A2-Prüfung, zwei Studierende der FAE 1 und FAE 3 versuchten sich am Niveau B1 und eine Kandidatin der FAE 1 trat auf dem Niveau B2 an. Sämtliche Niveaus umfassen Teilprüfungen in den Bereichen Hörverstehen, Leseverstehen, schriftlicher und mündliche Ausdruck; ab dem Niveau B2 kommt noch ein Grammatikteil dazu. Die Ergebnisse können Mitte Dezember online abgerufen werden.

 

Andrea Hielscher, November 2018

 

 

 

Die Delegation des Bezirks Pilsen und der Oberpfälzer Regierung freute sich über den herzlichen Empfang an der Weidener Fachakademie. (Bild: S. Bühner)

Tschechisch baut Brücken

 

Bezirk Pilsen und Oberpfalz intensivieren Dialog

 

Evropští sousedé – europäische Nachbarn: Das gilt für die beiden Bezirke Oberpfalz in Ostbayern und Pilsen in Westböhmen. Grund genug, sich regelmäßig darüber zu informieren, was es auf der anderen Seite der Grenze Neues gibt. Ende Oktober brach eine fünfköpfige Delegation unter Leitung von Jaroslava Havlí?ková, Leiterin der Schulabteilung des Pilsener Bezirksamts, nach Westen auf, um in Begleitung von Kollegen des Sachgebiets Schule und Bildung der Regierung der Oberpfalz an

verschiedenen Schulen zu hospitieren.

 

Auf ihrer Spurensuche nach tschechischen Aktivitäten machte die Gruppe auch an der Weidener Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen Station. Dort wurde sie von der Fachbetreuerin für Fremdsprachen, Andrea Hielscher, und den Studierenden des 2. Jahrgangs auf Tschechisch mit simultan gedolmetschten Informationen zum Tschechischstudium und zu Unternehmungen im Nachbarland empfangen. Anschließend stellten sich die Gäste den jungen Leuten kurz vor, bevor man sich zum Gruppenbild traf – vor den Deklinationstafeln der tschechischen Substantive in sieben Fällen, die Tschechischlernenden neben anderen grammatikalischen Fallstricken regelmäßig Albträume bereiten.

 

Danach luden Harald Krämer und Leonhard Dietrich, Fachbereichsleiter der VHS Weiden-Neustadt, die Delegation zum Kaffee in die VHS-Aula ein. Dort konnten sich die Gäste die Ausstellungen „100 Jahre Tschechoslowakei“ und „50 Jahre Prager Frühling“ ansehen, die anlässlich des Deutsch-Tschechischen Tags, einer gemeinsamen Aktion der Fachakademie und der VHS, präsentiert wurden. In einer entspannten Gesprächsrunde stellten der Schulleiter der Europa-Berufsschule, Josef Weilhammer, sein Stellvertreter Thomas Neumann und Andrea Hielscher die vielfältigen bayerisch-tschechischen Aktivitäten vor. Zur Motivation der Tschechisch-Lerner sind unter anderem Berufspraktika in Pilsen, mit Stipendien geförderte Tschechisch-Intensivkurse an der „Sommerschule“ in Prag, Exkursionen zur Partnerschule in Pilsen und die Teilnahme an den Zertifikatsprüfungen der Karls-Universität Prag im Angebot. Kontakte mit der Westböhmischen Universität Pilsen, wo ebenfalls im Sommer Tschechischkurse stattfinden, wurden bereits geknüpft.

 

Andrea Hielscher, Oktober 2018

 

 

 

 

Die Protagonisten des ersten Deutsch-Tschechischen Tages freuen sich über die positive Resonanz der Veranstaltung; v. l.: Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher, Zeitzeuge Rudolf Tomš?, Anett Browarzik vom Tschechischen Zentrum München, Andrea Hielscher von der Fachakademie, Zeitzeuge Rudolf Cerny, Harald Krämer von der VHS und Hans Wurm, Vater des deutsch-tschechischen Gastschuljahrs. Im Hintergrund Tomáš Garrigue Masaryk, Präsident der ersten Tschechoslowakischen Republik.
Gebannt verfolgen die Zuhörer die Berichte über das Schicksalsjahr 1968.
Die Deutschlehrer Leona Jiránková, 2. v. r., und Ondra Janda, rechts, von der Partnerschule in Pilsen waren mit Schülern angereist.

Tschechisch ist keine fremde Sprache – nur eine andere

 

Mit bemerkenswerten Ausstellungen zu 100 Jahren tschechoslowakische Staatlichkeit und zum Prager Frühling, zwei Zeitzeugen und einer Filmvorführung wurde der erste Deutsch-Tschechische Tag der Fachakademie Weiden und der VHS begangen. Die vom Tschechischen Zentrum stammende Ausstellung ist noch bis Ende Oktober in der Aula der VHS zu sehen.

 

Dass Nazi-Deutschland 1938 durch die Okkupation der Tschechoslowakei dem rund 1000jährigen überwiegend fruchtbaren Zusammenleben von Tschechen, Slowaken und Deutschen ein blutig-brutales Finale bescherte, ist tragisch, aber wahr. Dass sich ein Teil der Überfallenen bei und nach Kriegsende 1945 auf ähnliche Art und Weise an Deutschen rächten, ist ebenfalls unumstritten. Gerade die Vertreibung der Sudetendeutschen ist in Tschechien ein lange verdrängtes Kapitel. Doch seit dem Fallen des Eisernen Vorhangs gab und gibt es auf beiden Seiten Menschen, die trotz oder gerade wegen der gemeinsamen Geschichte aufeinander zugehen.

 

Der erste Deutsch-Tschechische Tag, der am 10. Oktober gemeinsam von der Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen und der Volkshochschule Weiden-Neustadt veranstaltet wurde, dokumentierte anschaulich, dass Brückenbauer beider Nationen auf dem richtigen Weg sind, aber auch, dass es noch jede Menge Vorurteile und vor allem die vertrackten Sprachbarrieren wegzubaggern gilt. Als routinierte Baggerführer präsentierten sich Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher, der Schulleiter der Europa-Berufsschule, Josef Weilhammer, die Programmkoordinatorin des Tschechischen Zentrums München, Anett Browarzik, der eloquente Erfinder des Gastschuljahres tschechischer Gymnasiasten an bayerischen Schulen, Hans Wurm, Dr. Michael Mašika, erfolgreicher Teilnehmer des Euregio-Gastschuljahrs, Leona Jiránková und Ondra Janda von der Pilsener Partnerschule SŠINFIS der Weidener Fachakademie sowie Studierende der Fachakademie und Schüler des Integrationskurses von Rudolf Cerny an der VHS. Dass auch noch Interessenten aus Weiden und Umgebung gekommen waren, unterstrich die Bedeutung der Veranstaltung.

 

Mit einem hohen Maß an Empathie schilderte Rudolf Tomšu aus Tachov, Jahrgang 1941, seine ganz persönlichen Erinnerungen an das Geschehen nach Kriegsende und schlug auch die jungen Zuhörer in seinen Bann. Damals konnten sich Tschechen Arbeitskräfte ausleihen. Sein Vater habe geweint, als er gesehen habe, wie internierte Deutsche misshandelt wurden. „Wir haben zwei alte ausgehungerte Herren zu uns nach Hause genommen, die einen Monat lang unser Klavier gestimmt ... und mit uns gegessen haben.“ Tomš? verdeutlichte, wie sehr sich die Tschechen durch die Vertreibung von über drei Millionen Deutschen selbst geschadet haben, denn es habe sich überwiegend um Facharbeiter und Personen gehandelt, die für das reibungslose Funktionieren einer Volkswirtschaft unentbehrlich waren.

 

Eindringlich machte er die Bedeutung der „8“ für die Tschechen deutlich: Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1918 die erste Tschechoslowakische Republik gegründet; 1938 überfiel Nazi-Deutschland das Land; 1948 wurden die Tschechen auf sowjetische Art und Weise kollektiviert; 1968 blühte der Prager Frühling für kurze Zeit auf und wurde gleich darauf von den Panzern des Warschauer Pakts in Grund und Boden gewalzt. Und schließlich 2018: 100-jähriges Gründungsdatum der Tschechoslowakischen Republik, die sich inzwischen auch auf Grund politischer Fehlzündungen – und nicht, weil es die Menschen gewollt hätten – in eine tschechische und eine slowakische Republik geteilt haben.

 

 

 

Rudolf Tomšu endete mit einem überzeugenden Bekenntnis für ein demokratisches Europa, in dem jeder ehrlich mit seiner Geschichte umgehen müsse. Auch die Tschechen, die heute zu den Vertriebenen sagen sollten: „Verzeiht uns! Und zwar, obwohl niemand von uns damals dabei war. Es war ein Unrecht an meist Unschuldigen – es tut uns leid.“ Und so sein leidenschaftlicher Appell an seine vor allem jungen Landsleute: „Deutsch darf nicht mehr eine fremde Sprache sein; es ist nur eine andere.“

 

Nach diesem von den überwiegend jungen Zuhörern aufmerksam verfolgten Vortrag sorgte Rudolf Cerny (Mutter: Deutsche, Vater: Tscheche) von den Moderatoren Andrea Hielscher (Fachakademie) und Harald Krämer (VHS) eingerahmt, für einen lebhaften und vielfältigen Meinungsaustausch zwischen Generationen und Nationalitäten. Tschechen, so Cerny, sind Pragmatiker: Deshalb schrieb er hinten auf seinen Trabbi mit roter Farbe: Porsche! Und Unterschiede zwischen Bayern und Tschechien? Nichts Essentielles. Schweinebraten und Bier sprechen für einen gemeinsamen Kulturraum. Und nicht nur die! Aber, wie gesagt: „Tschechisch darf nicht mehr eine fremde Sprache sein; es ist nur eine andre.“

 

Cerny, heute Lehrer an der Volkshochschule für Deutsch als Fremdsprache und Tschechisch, ist nach der Wende 1989 nach Weiden gekommen, um „das Leben in seinem zweiten Heimatland auszuprobieren“. Welche Unterschiede zwischen den beiden Ländern ihm besonders auffielen, wollte eine Zuhörerin wissen. „Das Verhältnis zu den Nachbarn – in Tschechien klingelt man, wird reingebeten und sitzt beim Kaffee oder etwas Schärferem ein paar Stündchen zusammen. In Deutschland klingelt man auch, bleibt aber auf der Schwelle stehen und die Angelegenheit ist nach ein paar Minuten erledigt.“ Wobei, räumt Cerny ein, das auch nicht schlecht sei, denn so habe man wenigstens seine Ruhe.

 

Mit dem Film „Pelíšky“ („Kuschelnester“) aus dem Jahr 1999, einer bittersüßen Komödie über zwei Familien in der Zeit des Prager Frühlings, klang der Deutsch-Tschechische Tag am Nachmittag aus.

 

A. und B. Hielscher, Oktober 2018

 

 

 

 

Die weit über hundert Sommerschul-Teilnehmer stellen sich zum Gruppenbild.
Perfekte und imposante Unterkunft: das Studentenheim Kajetánka
Frederic Ohnhauser (3. v. r.) und sein Landeskundekurs erweisen Karl IV., dem Namenspatron der Karls-Universität, ihre Reverenz.
Rainer Wilka und Patrick Pöllath auf Erkundungstour im Einkaufszentrum Chodov
Pamela Neidt (rechts) konzentriert sich auf den Unterricht.
Sommerschule: Pamelas Beitrag beim Belegte-Brötchen-Wettbewerb im Studentenheim, bei dem letztendlich ein Ägypter als Sieger hervorging.
Blick vom Rathausturm auf den traditionsreichen Altstädter Ring
Bei der Abschlusszeremonie nahm Rainer Wilka (3. v. l.) stellvertretend die Diplome seiner Lerngruppe in Empfang.

Sommerschule Prag 2018:

 

China meets Germany – auf Tschechisch!

 

Die „Sommerschule“, ein vierwöchiger Ferien-Sprachkurs in Prag, für den das tschechische Schulministerium in Koordination mit dem Bayerischen Kultusministerium Stipendien vergibt, hat sich bei den Studierenden der Fachakademie längst zum Renner entwickelt. Rainer Wilka aus der FAE 1 war im letzten Sommer dank eines zusätzlichen Stipendiums des Bezirks Oberpfalz dabei. Hier ist sein Bericht.

 

Vier Studierende der Fachakademie, Frederic Ohnhauser und ich aus der FAE 1 sowie Pamela Neidt und Patrick Pöllath Carrera aus der FAE 2, bekamen im August 2018 die Möglichkeit, während der Ferien an einem Sprachkurs der Sommerschule an der Karls-Universität in Prag teilzunehmen. Realisierbar wurde das erst durch großzügige Stipendien – drei wurden vom tschechischen Schulministerium und dem Bayerischen Kultusministerium vergeben, das vierte spendierte dankenswerterweise zum ersten Mal der Bezirk Oberpfalz. An dieser Stelle ein großes Dankeschön von uns allen!

 

Am letzten Schultag, dem 27. Juli, machten wir uns auf die Reise. Allein im Nachbarland zu sein war schon die erste Bewährungsprobe für unser bisher gelerntes Tschechisch, doch am Ende hat alles geklappt. Bei einer Zugfahrt nach Prag im „alex“ ist es eigentlich möglich, Fahrkarten beim Schaffner zu kaufen. Mein Versuch, auf diese Weise in den Genuss des günstigeren tschechischen Tarifs zu kommen, war aber nicht erfolgreich, weil der Schaffner erklärte, er könne im Moment keine Fahrkarten ausgeben. Bis kurz vor Prag wiederholte er diese Auskunft auch noch zweimal. Die Hoffnung, so umsonst zum Zielort zu kommen, erfüllte sich dann zwar nicht, doch der freundliche Kontrolleur hatte wenigstens Verständnis und verkaufte mir schließlich das ersehnte Ticket.

 

Unsere Unterkunft in Prag war imposant: das 15-stöckige Studentenwohnheim Kajetánka. Am Wochenende nach der Ankunft ging es erst einmal nur darum, die Umgebung und auch die anderen der insgesamt über 130 Teilnehmer kennenzulernen. Dass Deutsche und Österreicher die größte Gruppe darstellten, war wenig überraschend, auffällig war jedoch die starke Präsenz der Asiaten: Über ein Dutzend Chinesen und Taiwanesen sowie auch einige Japaner hatten den weiten Weg auf sich genommen, um sich intensiv mit Tschechien und der tschechischen Sprache zu beschäftigen.

 

Als sich alle von ihren Reisestrapazen erholt hatten, gab es im Wohnheim eine große Begrüßungsfeier, wo Neuankömmlinge und Lehrer sich bei einem gigantischen Buffet entspannt unterhalten konnten. Bevor am Montag die Sprachkurse begannen, nahmen die Betreuer die Gruppe mit auf eine große Tour durch die Altstadt. Dabei zeigten sie auch gleich den Weg zu den Unterrichtsräumen im historischen Karolinum-Gebäude ganz in der Nähe des größten Touristentreffpunkts, des Altstädter Rings mit dem Alten Rathaus und seiner astronomischen Uhr.

 

Dann mussten alle mit Tschechisch-Vorkenntnissen einen Sprachtest schreiben. Diese als „kurzer Test“ angekündigte Prüfung hatte es allerdings in sich, und bei Fragen nach Passivformen und unregelmäßigen Verben mussten wir oft kapitulieren. Das war aber nicht weiter dramatisch, weil der Großteil des Tests lösbar war, und außerdem waren wir ja gekommen, um Neues zu lernen. Anhand der Ergebnisse wurden die verschiedenen Kursstufen von I (Anfänger) bis IV (Fortgeschrittene) eingeteilt, und darüber hinaus wurden in jedem Niveau mehrere kleine Kurse gebildet, um besonders intensiven Sprachunterricht bieten zu können.

 

Die Lehrer in diesen 15 Kursen gaben es bis zum Schluss nicht auf, ihre Gruppen über die korrekte Verwendung der sieben Fälle sowie der vollendeten und unvollendeten Verben zu unterrichten, auch wenn sich Fortschritte nur langsam einstellten. Außerdem legten sie auch Wert darauf, ihren Gästen die tschechische Kultur vor allem in Form von Literatur und Musik näherzubringen, zeigten sich aber auch interessiert an deren Herkunftsländern. Bei teilweise 38 Grad Außentemperatur kamen wir in den nicht klimatisierten Räumen ordentlich ins Schwitzen. Dagegen halfen alle als Fächer geeigneten Gegenstände und manchmal auch ein Eis nach dem Kurs.

 

Nach dem Unterricht fanden immer Veranstaltungen statt. Wer wollte, konnte Spaziergänge durch einzelne Stadtteile mitmachen, in Ausstellungen gehen oder Sing- und Tanzabende und das Sportangebot nutzen. Noch dazu wurde jede Woche ein tschechischer Filmklassiker gezeigt – von leichter Unterhaltung bis zum dramatischen Geschichtsfilm über den Einmarsch von Soldaten aus der Sowjetunion und anderen Ostblockstaaten 1968 in die Stadt. Anlässlich des Jahrestags dieser Invasion gab es gegen Ende der Sommerschule auf dem Wenzelsplatz, wo damals blutige Straßenkämpfe getobt hatten, ein spektakuläres Konzert mit prominenten Musikern. Die Zuschauer füllten den riesigen Platz bis an den Rand und feierten ihr Land und ihre Stadt mit ansteckender Fröhlichkeit.

 

Zum Kulturprogramm gehörten zum einen das Tschechische Nationalmuseum und das Škoda-Museum in Mladá Boleslav, zum anderen der Besuch einer audiovisuellen Installation in der Prager Philharmonie. Dort wurde anlässlich des 100. Jubiläums der tschechischen Staatsgründung die berühmte Komposition „Die Moldau“ von Bed?ich Smetana in einem kleinen, verdunkelten Raum mit Rundum-Sound und Landschaftsbildern erlebbar gemacht und lud zum Träumen ein.

 

Außerdem unternahmen wir an den Wochenenden Fahrten nach Kutná Hora (Kuttenberg), Hradec Králové (Königgrätz), Tábor und an weitere Orte. An einem Sonntag machten Frederic, Patrick und ich mit polnischen und slowakischen Bekannten aus der Sommerschule einen Abstecher nach Liberec (Reichenberg). Dort konnten wir auf dem Liberecer Hausberg Ješt?d (Jeschken) vom markanten Fernsehturm aus nach Polen und Deutschland sehen – ein faszinierender Anblick, der deutlich machte, wie eng die verschiedenen Nationen in Europa doch nebeneinander leben.

 

Auch die berühmte Prager Wirtshaus- und Kneipenszene wurde von uns eifrig erkundet. Dabei klappte die Völkerverständigung in großen Gruppen oft in einem Mischmasch von Deutsch, Englisch, Tschechisch, Spanisch, Ungarisch, Slowakisch und Polnisch ganz hervorragend. So verging die Zeit bis zu den Abschlussfeierlichkeiten sehr schnell, und am Ende waren die „Sommerschüler“ echte Prag-Experten geworden und hatten viele Freundschaften geschlossen.

 

Zur Schlusszeremonie im prächtigen Festsaal der Universität erschienen die Vertreter der Universität in traditionellen Gewändern. Von der feierlichen Atmosphäre bei der Diplomübergabe konnte ich selbst besonders viel mitnehmen: Man hatte mich ausgewählt, stellvertretend für meinen Sprachkurs die Diplome in Empfang zu nehmen, und ich beteiligte mich auch an einem kurzfristig gebildeten „Sommerschulchor“, der die tschechische Nationalhymne aufführte. Die Abschiedsfeier im Wohnheim sorgte dann noch für zusätzliche schöne Erinnerungen, wenn auch der Abschied von so vielen freundlichen Wegbegleitern ein wenig traurig stimmte.

 

Die Karls-Universität hat sich in den vier Wochen des Programms von ihrer besten Seite präsentiert, und die Sommerschule war für die Weidener eine einmalige, wertvolle Erfahrung.

 

Rainer Wilka, FAE 2, September 2018

 

 

 

 

 

Kultusminister Siebler bei seiner Ansprache
Studierende der Fachakademie im Fest-Publikum
Die tschechische Generalkonsulin Kristina Larischová war Schirmherrin der Veranstaltung.
Studierende der FAE 3 im Foyer
„Simon und Šimon“ aus der Realschule Auerbach zeigen, dass man sich beim Fußball deutsch-tschechisch auch mit wenigen Worten versteht.

Festakt an der OTH Weiden zu 10 Jahren Sprachinitiative:

 

Tschechisch als mentales Fitness-Studio

 

„10 Jahre Sprachinitiative Tschechisch an den Realschulen in Ostbayern“ ist ein Anlass zum Feiern. Zum Festakt an der OTH Weiden Ende September war eine Reihe illustrer Gäste geladen, und die Tschechisch-Studierenden der Fachakademie mit ihren Lehrerinnen freuten sich, dabei sein zu dürfen.

 

Nicht zuletzt dank der musikalischen und szenischen Einlagen von Schülern aus Real- und Grundschulen sowie des Büffets mit tschechischen Köstlichkeiten wurden es für die Gäste zwei sehr unterhaltsame Stunden. Auch die Redner fassten sich kurz und verbreiteten gute Laune. Nach der Begrüßung durch den Vizepräsidenten der OTH, Prof. Ulrich Müller, ließ der Bayerische Kultusminister Bernd Siebler die Sprachinitiative hochleben, die in dieser Zeit dazu beitrage, eine historisch zusammengehörige und durch politische Entwicklungen getrennte Region wieder zusammenwachsen zu lassen: „Es ist der Alltag, der uns verbindet.“

 

Kristina Larischová, Generalkonsulin aus München und Schirmherrin der Veranstaltung, präsentierte sich in schönstem Deutsch als temperamentvolle Repräsentantin ihres Landes und wies insbesondere auf die wirtschaftliche Stärke Tschechiens sowie die intensiven Handelsbeziehungen mit Bayern hin. „Sprachkenntnisse verhelfen zu einem positiven Bild der Menschen im anderen Land“, gab sie den jungen Tschechischlernenden mit auf den Weg. „Europa findet nicht in Brüssel statt, sondern hier.“

 

Seit der ersten Stunde hat Dr. Ladislava Holubová, Tschechischdozentin an der OTH Weiden, die Sprachinitiative begleitet, deren Geschichte sie Revue passieren ließ. In 20 Realschulen könne man inzwischen Tschechisch lernen. Angefangen habe man bei Null – ohne Lehrmaterialien, Lehrpläne, Lehrerbildung –, sei aber inzwischen auf einem hohen Niveau angekommen. Davon zeugten jährlich die hervorragenden Ergebnisse der Realschüler bei den Zertifikatsprüfungen der Karls-Universität Prag.

 

Auch die Ministeralbeauftragte der Realschulen in der Oberpfalz, Ltd. Realschuldirektorin Maria Kinzinger, sprach Schülern, Lehrern und Initiatoren der Sprachinitiative ihre Anerkennung aus.

 

Welche Anstrengung die Beschäftigung mit der tschechischen Sprache bedeutet, machte der Beauftragte für die schulischen Angelegenheiten zwischen Bayern und der Tschechischen Republik, Richard Glombitza, klar: „Mit dem Erlernen der tschechischen Sprache schicken wir die Köpfe unserer jungen Leute in ein Fitness-Studio.“ Denn die Grammatik – und damit sprach er etlichen im Publikum aus dem Herzen – habe es wahrhaftig in sich.

 

Mit vielen Begegnungen und Gesprächen bei tschechischen Canapés, Kolatschen und Lebkuchen klang der Festakt entspannt aus.

 

Andrea Hielscher, September 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sprachspiele international mit Sprachanimateurin Michaela Vanková (5. v. r.), Praktikantin Anita (r.), Deutschlehrerin Leona Jiránková (2. v. l.) und der Klassenleiterin der arabischen Dolmetscherklasse, Katharina Kiener (2. v. r.)
Zaidoun aus Syrien und Veronika aus Tschechien schließen Bekanntschaft – auf Deutsch.

3. Runde Berufspraktikum Pilsen-Weiden:

 

Arbeitsalltag einmal anders

 

„Die Leute bei mir im Büro sind alle so nett, dass ich mir vorstellen könnte, später einmal in Deutschland zu arbeiten.“ Veronika Hudcová ist sehr zufrieden, dass sie sich auf das Abenteuer „Berufspraktikum in Deutschland“ eingelassen hat. Sie lernt gerade die Weidener Arbeitsagentur mit all ihren Facetten kennen. Ihrer Schulkameradin Anita Valisová, die das Team beim Stadtmarketing Weiden im Alten Rathaus unterstützt, geht es genauso. Die beiden 17-Jährigen kommen von der SŠINFIS in Pilsen, der Fachoberschule für Informatik und Finanzdienstleistungen, mit der das Berufliche Schulzentrum Weiden eine Partnerschaft unterhält. Die Praktika werden vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds finanziert, von Tandem, dem Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch, koordiniert und den beiden Lehrerinnen Leona Jiránková und Andrea Hielscher organisiert.

 

Sprachanimateurin Michaela Vanková aus Regensburg bereitete die beiden Tschechinnen am ersten Tag nach ihrer Ankunft sprachlich und praktisch perfekt auf die nächsten zwei Wochen vor. In diese Sprachanimation wurden auch zeitweise Studierende der Fachakademie-Abschlussklasse, die im Juni ein Praktikum in Pilsen absolviert hatten, und die arabische Integrationsdolmetscherklasse der Fachakademie mit einbezogen. Letztere spricht zwar hervorragend Deutsch, jedoch kein Wort Tschechisch, zeigte sich aber sehr offen. Umgekehrt lernten Anita und Veronika ein paar ungewohnt klingende arabische Vornamen kennen, die ihnen nach einer Weile schon leichter von der Zunge gingen. Untergebracht sind die beiden im Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchviehhaltung in Almesbach, wo Hauswirtschaftsleiterin Kerstin Bauer sogar ihren Urlaub unterbrach, um die Gäste in Empfang zu nehmen. In Almesbach findet zurzeit ein Melkkurs statt, so dass Veronika und Anita im Frühstücksraum reichlich Gesellschaft haben.

 

Ziel des Aufenthalts ist es, den deutschen Arbeitsalltag kennenzulernen und besonders die Deutschkenntnisse zu vertiefen. Deutsch hat in Tschechien den Ruf einer schwierigen Sprache und wird immer weniger gelernt. Anita und Veronika können sich zwar mit Englisch gut behelfen, haben aber schon nach ein paar Tagen begriffen: Wenn sich Türen öffnen sollen, muss man die Landessprache sprechen. Was die beiden auch mit wachsendem Selbstvertrauen tun – sofern ihnen nicht auf Bayerisch geantwortet wird. Denn das ist für die beiden ein Buch mit sieben Siegeln.

 

Andrea Hielscher, September 2018

 

 

 

Zweite FAE-Absolventin tritt Stelle in Prag an:

 

Deutsch ist Trumpf am Arbeitsmarkt

 

 

Valentina Pajaziti hat Ende Juli 2018 ihr Zeugnis als Staatlich geprüfte Übersetzerin in Empfang genommen und ein paar Tage später am 1. August ihre neue Arbeit bei einem Online-Reisebüro in Prag begonnen. Damit ist sie die zweite Absolventin der Fachakademie, die sich Richtung Tschechien orientiert.

 

Du hast einen Arbeitsplatz in Prag gefunden und gehst nach beendeter Abschlussprüfung dorthin. Was hat zu dieser Entscheidung geführt?

 

Im letzten Jahr der Akademie ist es an der Zeit, Bewerbungen zu schreiben und eine Arbeitsstelle zu suchen. Hätte man mir Anfang des Jahres vorausgesagt, dass ich im August nach Prag gehe, hätte ich das womöglich niemals geglaubt, denn ich plante nicht, ins Ausland zu gehen. Nach und nach gefiel mir der Gedanke Prag und ich beschäftigte mich umso mehr damit. Außerdem besuchte ich voriges Jahr vier Wochen lang einen Tschechischkurs an der Sommerschule in Prag (Letní skola slovanských studií), da ich ein Stipendium erhalten hatte, und es war eine unvergessliche Zeit.

 

Warum hast du dir keine Stelle in Deutschland gesucht?

 

Ich habe mich auf dem Stellenmarkt in Deutschland umgesehen, aber kein mir passendes Jobangebot gefunden. Deswegen habe ich mich rein interessehalber im Nachbarland nach Stellen erkundigt und bin sofort auf mehrere gestoßen. Es werden in Tschechien viele Mitarbeiter gesucht, die Englisch und vor allem Deutsch können.

 

Du hast zwar Tschechisch gelernt, aber der Schritt ins östliche Nachbarland erscheint doch ungewöhnlich. Was hat den Ausschlag gegeben?

 

Tschechisch ist eine sehr interessante, aber schwere Sprache. Jedoch habe ich schnell Gefallen daran gefunden und möchte diese slawische Sprache unbedingt weiterlernen und ausbauen und dafür ist Prag meiner Meinung nach die richtige Adresse.

 

Beschreibe kurz deine neue Arbeit. Wie hast du diese Stelle gefunden?

 

Expedia, Inc., ist ein amerikanisches Online-Reisebüro, das die Website expedia.com betreibt. Die Stelle als „Lodging Partner Associate“ habe ich im Internet auf der Seite indeed.com gefunden. Der ganze Einstellungsablauf verlief reibungslos und unkompliziert. Das Vorstellungsgespräch fand per Webcam in englischer Sprache statt und zwei Tage später hatte ich bereits die Zusage. Mein Aufgabengebiet umfasst die Hotel- und Kundenbetreuung für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

 

Prag ist ein teures Pflaster. Wirst du von deinem Verdienst einigermaßen leben können? Und was hast du getan, um eine bezahlbare Wohnung zu finden?

 

Expedia bot mir ein angemessenes Gehalt an, unter anderem auch diverse Vergünstigungen wie zum Beispiel eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Wohnungssuche war ein absoluter Glücksfall, denn ich wurde von einer Personalagentur betreut, die in Verbindung mit Expedia alle Angelegenheiten für die Einstellung regelte. Hierzu fand ein regelmäßiger Austausch per E-Mail und Telefon statt. Eine junge Dame, mit der ich mich auf Anhieb bestens verstand, erzählte mir, dass ihre Mitbewohnerin in Kürze auszieht und ich somit die Wohnung in Smíchov mit ihr teilen könnte.

 

Auf was freust du dich in Tschechien besonders? Was wirst du vermutlich vermissen?

 

Ich freue mich auf eine interessante Arbeit, tolle Kollegen und mein erstes selbstverdientes Gehalt. Außerdem freue ich mich darauf, die Stadt und neue Leute kennenzulernen. Es gibt natürlich auch ein riesengroßes Angebot an Kneipen, Lokalen und Restaurants, wo mir mein Feierabendbierchen bestens schmecken wird.

Meine Familie und Freunde werde ich natürlich vermissen, aber Prag ist nicht aus der Welt und nur zwei Stunden mit dem Zug von Zuhause entfernt.

 

Die Fragen stellte Andrea Hielscher (Juli 2018)

 

 

 

 

Volle Konzentration: Frederic Ohnhauser (2. v. r.) und seine Mitstreiter beim Hackathon in Prag (Bild: TEDxPrague)

FAE-Studierender beim Workshop von TEDxPrague:

 

„Hackathon“:

Zur Untertitel-Jagd an die Moldau

 

Frederic Ohnhauser, im Schuljahr 2017/18 Studierender der ersten Klasse der Fachakademie, spricht seit seiner Kindheit fließend Deutsch und Tschechisch. Klar, dass er im normalen Tschechischunterricht an der FAE, der bei Null anfängt, unterfordert ist. Deshalb hat Tschechischlehrerin Andrea Hielscher eine neue Herausforderung für ihn gefunden: das Übersetzen von Untertiteln tschechischer TEDx-Vorträge ins Deutsche. Da die meisten Tschechen heute ihren Fokus auf Englischkenntnisse legen, sind Leute mit guten Deutschkenntnissen rar geworden – eine Chance für unsere Schule.

 

TEDx ist ein Ableger von TED (Technology, Entertainment, Design), einer ursprünglich jährlichen Innovationskonferenz in Monterey/Kalifornien, deren beste Vorträge zu politisch-gesellschaftlichen Themen sowie zu Kultur, Kunst und Wissenschaft auf der TED-Talks-Seite kostenlos ins Netz gestellt und von Freiwilligen in viele Sprachen übersetzt werden. TEDx-Events sind unabhängig organisierte TED-Konferenzen im selben Format, die weltweit in vielen Städten stattfinden und ebenfalls weltweit von Freiwilligen untertitelt werden.

Für genauere Informationen siehe https://de.wikipedia.org/wiki/TED_(Konferenz).

 

 

Du warst Mitte Juli in Prag auf einem „Hackathon“. Kannst du kurz beschreiben, was das ist, wer das veranstaltet hat und wo die Aktion stattfand?

 

Bei einem „Hackathon“ geht es darum, Untertitel für ausgewählte Videos von Vorträgen zu erstellen. Man benötigt seinen eigenen Computer und arbeitet auf der Onlineplattform Amara, die auf das Erstellen von Untertiteln spezialisiert ist. Gearbeitet wird in einer Gruppe, damit man sich gegenseitig helfen und Ratschläge geben kann. Denjenigen, die sich in der Praxis noch nicht so gut auskennen, wird der Umgang mit dem Programm erklärt. Die Aktion wurde von TEDxPrague veranstaltet, sie fand im Konferenzraum eines großen Informatikbüros in der Prager Innenstadt statt.

 

Wer waren die Teilnehmer beim „Hackathon“ und wer hat ihn veranstaltet?

 

Wir waren eine ziemlich kleine Gruppe von insgesamt sechs Teilnehmern. Vier Personen übersetzten vom Tschechischen ins Englische und zwei, mich eingeschlossen, ins Deutsche. Jeder der Anwesenden hatte einen ganz anderen schulischen bzw. beruflichen Hintergrund. So waren z. B. eine Informatikerin, ein Sprachenstudent und eine Krankenschwester mit dabei. Auf den ersten Blick gab es nicht viele Gemeinsamkeiten, und dennoch hatten wir alle das gleiche Interesse, nämlich Übersetzen. Die Veranstalter waren drei Experten von TEDxPrague, nämlich Tereza Cerná, die für die Produktion verantwortlich ist, sowie Lukás Smol und Samuel Titera, die sich um das Programm und die Auswahl von Vorträgen kümmern. Sie waren alle sehr freundlich und stets offen für unsere Fragen.

 

 

Welche Ziele verfolgten die Veranstalter mit dieser Aktion?

 

Die Veranstalter wollten vor allem auf TEDxPrague aufmerksam machen, das noch ein bisschen in den Kinderschuhen steckt. Die Plattform bietet einige Vorträge in tschechischer Sprache, die bisher noch keine Untertitel haben. Um dies zu ändern, sollen Hobbyübersetzer mit ins Boot geholt werden. Letztendlich profitieren beide Seiten davon: Der Übersetzer bekommt eine tolle Möglichkeit, um zu üben, und TEDxPrague kann seine Videos auch Sprechern einer anderen Sprache zugänglich machen. So entsteht eine lebendige Community, die auf Gegenseitigkeit basiert.

 

Wie habt ihr die gemeinsame Arbeitszeit verbracht?

 

Die Veranstaltung ging von 10 bis 17 Uhr. Die Zeit war dabei klar aufgeteilt: 40 Minuten konzentriertes Arbeiten und 20 Minuten Besprechung. In dieser Zeit wurde auch miteinander geplaudert und ich habe einiges über die Veranstalter sowie meine Mitstreiter erfahren. Ich entschied mich, die Untertitel für einen Vortrag zu erstellen, in dem die junge Künstlerin Vendula Chalánková über ihre Lebensgeschichte und ihre Werke spricht. Die ganze Zeit über wurden wir mit kostenlosen Getränken und Speisen versorgt. Allgemein lässt sich sagen, dass eine sehr entspannte und ruhige Arbeitsatmosphäre herrschte.

 

Was sind deine persönlichen Eindrücke? Was hat dir die Veranstaltung gebracht, was könnte man noch besser oder anders machen?

 

Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, an der Veranstaltung teilzunehmen. Trotz anfänglicher Orientierungsschwierigkeiten war allein der Veranstaltungsort, ein riesiges Informatikbüro, schon sehr interessant. Es hat mir Spaß gemacht, in einer Gruppe zu arbeiten, und es hat mir gefallen, dass ich jederzeit nachfragen konnte, falls ich Hilfe brauchte. Außerdem habe ich auch die Grundlagen des Untertitel-Editors erlernt und finde mich nun schon besser zurecht. Und dazu noch nette Menschen und gutes Essen; ich weiß nicht, was es zu bemängeln gäbe.

 

 

 

 

Kseniia und Katarina bei der Fahrradführerscheinprüfung des Pilsener Bezirksamts
Zu Besuch in der Pilsener Unterwelt
Freizeit deutsch-tschechisch: Treffen mit Robin (3. v. r.), einem Schüler der Pilsener Partnerschule, der sich auf ein Praktikum in Weiden freut.

Praktikum Pilsen 2018:

 

Spielshow, Kinderheime und tschechische Hüttenromantik

 

Vom 10. bis 23. Juni 2018 hatten acht Studierende aus dem 1. und 2. Jahrgang der Fachakademie die Gelegenheit, im Rahmen eines Praktikums in Pilsen (Plzen) ihre bisherigen Sprachkenntnisse in Tschechisch von der Theorie in die Praxis zu verlegen. Das Projekt wurde durch das EU-Programm Erasmus+ finanziert und durch Tandem Regensburg, das Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch, in Zusammenarbeit mit Leona Jiránková von der Pilsener Partnerschule SSINFIS und Fachbetreuerin Andrea Hielscher von der FAE Weiden organisiert.

 

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Bei strahlendem Sonnenschein brachen wir an einem Sonntagnachmittag Mitte Juni in Weiden auf und fuhren in das 110 km entfernte Pilsen, das nach Prag, Brünn und Ostrava die viertgrößte Stadt Tschechiens ist und im Westen Böhmens liegt. Empfangen wurden wir dort von strömendem Gewitterregen und Frau Jiránková, deren gute Laune so gar nicht zu dem grauen Wetter passen wollte.

 

Bis wir jedoch letztendlich unsere Unterkunft erreichten, ein Studentenwohnheim im Stadtteil Bory, hatte sich zum Glück auch der Himmel schon aufgehellt und wir konnten ohne Probleme unser neues Zuhause beziehen. Hier mussten wir uns nur noch damit arrangieren, dass wir nun für 14 Tage jeweils zu zweit ein Zimmer teilen würden und unsere eigene Klopapierrolle hatten, die wir beim Gang in den Gemeinschaftswaschraum stets selbst mitnehmen mussten. Ersteres ging schnell, letzteres sorgte bis zum Ende für einige Kehrtwenden.

 

 

 

 

 

 

 

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Am Montag und Dienstag bekamen wir dann zunächst spielerischen Input durch die Sprachanimation von Tandem, die in der Partnerschule stattfand und auch von einigen tschechischen Schülern besucht wurde. So konnten wir uns gegenseitig die eigene Sprache näherbringen und uns in der jeweils anderen versuchen. Außerdem wiederholten wir Altbekanntes und lernten einige neue Begriffe. Auch das Bürovokabular durfte dabei natürlich nicht fehlen, weshalb wir nun auch Dinge wie zvýraznovac (dt. „Textmarker“) und skartovacka (dt. „Aktenvernichter“) Teil unseres Wortschatzes nennen können.

Mit diesen – etwas eigenwilligen – Vokabeln im Gepäck wagten wir uns am Mittwoch endlich zu unseren jeweiligen Praktikumsstellen, wo wir herzlichst empfangen wurden.

 

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Magdalena und Sabrina kamen zu SV? Radovánek, einem Jugend- und Freizeitzentrum, wo sie dabei halfen, Kinder zu betreuen und mit Spielen zu unterhalten. Außerdem waren sie im Laufe der zwei Wochen z. B. daran beteiligt, eine Tanzvorstellung der Kinder- und Jugendgruppen reibungslos über die Bühne zu bringen, und sie durften das Bezirksfinale der Spielshow „Rubicon“ in vorderster Reihe live miterleben.

 

Auch bei Kseniia und mir im Krajský ú?ad Plze?, dem Pilsener Bezirksamt, standen oftmals Kinder im Mittelpunkt. So nahmen wir u. a. an einer Fahrradführerscheinprüfung teil und besuchten verschiedene sogenannte „detské domovy“ (dt.: Kinderheime), in denen Kinder, deren Eltern sich nicht angemessen um sie kümmern können oder eine Gefährdung darstellen, von Erzieherinnen großgezogen werden.

 

Jessica wiederum war im Eurocentrum Pilsen im Namen der EU tätig und fertigte Übersetzungen an. Diese kamen dann bei einer Veranstaltung für Schüler zum Einsatz, für die sie sogar bis nach Budweis fahren durfte. Den Schülern sollte nämlich das Nachbarland Österreich nähergebracht werden, das seit dem 1. Juli 2018 für sechs Monate den Vorsitz des EU-Rates innehat.

 

Frederic und Rainer trugen beim Informacní centrum Bavorsko-?echy, also dem Informationszentrum Bayern-Böhmen, ebenfalls zum Dialog unter Nachbarländern bei und übersetzten diverse Infotexte, so dass deutschsprachige Touristen auch ohne Tschechischkenntnisse nicht vor der Sprachbarriere zurückschrecken müssen.

 

Patrick hingegen wurde im Team des Softwareunternehmens RTsoft aufgenommen und übersetzte deren Website vom Tschechischen ins Deutsche. Auch der Spaß und das leibliche Wohl sollten dabei nicht zu kurz kommen, weswegen bei ihm zusätzlich Aktivitäten wie gemeinsamer Sport und gemeinsames Essen auf dem Programm standen.

 

Insgesamt zeichneten sich alle Praktikumsplätze durch die typisch tschechisch-entspannte Arbeitsatmosphäre und die vielen freundlichen Menschen aus, mit denen wir zusammenarbeiten durften.

 

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Dieser Trend setzte sich auch in unserer Freizeit fort. Als wir z. B. kurzfristig auf der Suche nach einem Arzt waren, fanden wir dank einer hilfsbereiten Kinderarzthelferin unseren Weg in die Poliklinik, wo uns wiederum eine sympathische Ärztin empfing, die sofort wusste, was zu tun war, und die Behandlung sogar kostenlos durchführte.

 

Neben diesem eher etwas ungewöhnlichen und unfreiwilligen Ausflugsziel gab es natürlich auch noch einige touristenfreundlichere Varianten. So zogen sich manche von uns über das Wochenende aus dem Stadttrubel zurück und entspannten in einer „chalupa“ (dt. „Ferienhaus“) im Grünen, wie es auch die Tschechen zu tun pflegen. Von dort aus ging es dann – untermalt von den Klängen tschechoslowakischer Rapmusik – mit dem Auto durch den Böhmerwald (Sumava) und zu diversen Kleinstädten und Dörfern entlang des Weges.

 

Die anderen nutzten den Samstag für einen Tagesausflug in die Landeshauptstadt Prag, wo sie zwar wenig Tschechen, jedoch jeder Menge ausländischen Brautpaaren begegneten, die sich weder durch andere Touristen noch durch Baugerüste ihr perfektes Foto nehmen ließen. Am Sonntag machten unsere Kulturliebhaber dann ebenfalls einen Abstecher in die Natur, nämlich in den Pilsener Zoo, wo sie sich köstlich darüber amüsierten, tschechischen Eltern dabei zuzuhören, wie sie in die Verlegenheit gerieten, ihren Kindern das Paarungsverhalten von Schildkröten erklären zu müssen.

 

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Unter der Woche blieben wir uns das kulturelle Unterhaltungsprogramm ebenfalls nicht schuldig und füllten unsere freie Zeit je nach persönlicher Präferenz:

 

Die einen fuhren mit dem Zug zu den Burgen in der näheren Umgebung, für die anderen bot auch die Altstadt, z. B. mit der Pilsner Urquell-Brauerei (Pivovar Plzenský Prazdroj), der Großen Synagoge (Velká synagoga) und diversen Second-Hand-Läden, genug Abwechslung. Im Grünstreifen, der den historischen Stadtteil umgibt, konnten wir außerdem Spejbl und Hurvínek, den bekannten tschechischen Marionettenfiguren, begegnen oder dem Militärorchester lauschen, während es tschechische Volkslieder zum Besten gab.

 

Besonders hatte es uns auch die kulinarische Seite des Landes angetan, so dass wir uns morgens fleißig durch die Auslagen der Bäckereien probierten und abends häufig bei Švejk zu Gast waren, einem Restaurant mit traditionell tschechischer Küche, dessen Name auf der Titelfigur von Jaroslav Haseks unvollendetem Schelmenroman Osudy dobrého vojáka Svejka za svetové války (dt. Titel: „Die Geschicke des braven Soldaten Schwejk während des Weltkrieges“) basiert.

 

Auch über das Wetter konnten wir während der zwei Wochen nicht mehr klagen – außer am letzten Tag, da weinte der tschechische Himmel dann doch ein bisschen. Vielleicht, weil wir wieder nach Hause fuhren.

 

Juli 2018, Katharina Fink, FAE 1

 

 

 

 

Der Leiter der Bayerischen Repräsentanz in Prag, Dr. Hannes Lachmann, Prags Oberbürgermeisterin Adriana Krná?ová, der tschechische Umweltminister Richard Brabec und der deutsche Botschafter in Prag, Christoph Israng (v. l.)

Sommerempfang an der Bayerischen Repräsentanz in Prag

 

Die bayerisch-tschechische Zusammenarbeit stand im Zentrum des traditionellen Sommerempfangs der Bayerischen Repräsentanz in Prag. Das Ereignis wurde in festlichem Rahmen und mit einem Büffet vom Feinsten im Palais Chotek mitten in der historischen Altstadt gefeiert. Unter die Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Bildung mischten sich auch Josef Weilhammer, Schulleiter der Europa-Berufsschule, Alois Pecher, Mitarbeiter in der Schulleitung, Andrea Hielscher, Fachbetreuerin Fremdsprachen an der Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen, sowie Hans Wurm, Schulleiter a. D. und Initiator des Gastschuljahrs tschechischer Schüler an ostbayerischen Gymnasien.

 

Dr. Hannes Lachmann, ehemaliger Weidener und Hausherr der Repräsentanz, der bayerische Europaminister Georg Eisenreich, der per Videobotschaft zugeschaltet wurde, und der deutsche Botschafter in Prag, Christoph Israng, würdigten in ihren Grußworten das grenzübergreifende Engagement als Faktor der Stabilität in politisch bewegten Zeiten. Prags Oberbürgermeisterin Adriana Krná?ová lobte die lebendige Partnerschaft zwischen der tschechischen Hauptstadt und Nürnberg als gelungenes Beispiel für gute Nachbarschaft. Als möglichen weiteren Begegnungsort von Deutschen und Tschechen schlug Umweltminister Richard Brabec ein Fußballfeld bei einer zukünftigen Weltmeisterschaft vor.

 

Im Erdgeschoss zogen die Multimedia-Ausstellung „So klingt die Oberpfalz“ und ein Mini-Bierzelt mit Weißbier- und Bratwurst-Service viele Besucher an. Mit angeregten Gesprächen unter alten Bekannten klang die Veranstaltung am späten Abend aus.

 

 

 

 

Erste Berufserfahrungen in Pilsen:

 

Im Osten was Neues

 

 

„Praxe“ ist tschechisch und bedeutet „Praktikum“. Bereits zum dritten Mal reisten Mitte Juni acht Studierende der Fachakademiejahrgänge 1 und 2 nach Pilsen, um sich zwei Wochen lang mit dem Arbeitsalltag des Nachbarlands und dessen sprachlichen Hürden herumzuschlagen. Der Aufenthalt wird finanziert durch das europäische Programm Erasmus+ und organisiert durch das Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch Tandem in Regensburg.

 

Zusammen mit Kollegin Leona Jiránková von der Pilsener Partnerschule SŠINFIS sorgte Tschechischlehrerin Andrea Hielscher in den ersten Tagen für einen möglichst reibungslosen Ablauf. Nach der Ankunft checkten die Weidener im Studentenheim ein, wo sie die dort üblichen Doppelzimmer bezogen. Tag 1 und 2 fand eine Sprachanimation mit Dagmar Christofová von Tandem statt, an der zur Freude der Deutschen auch eine Gruppe tschechischer Jugendlicher aus der Partnerschule teilnahm. Schnell wurden Bekanntschaften geknüpft, die sich bei der Stadtrallye als nützlich erwiesen, und Pläne für die Freizeit geschmiedet.

 

Jeder Kandidat wurde persönlich zum Praktikumsplatz gebracht und den neuen Kollegen vorgestellt. Leona Jiránková hat auch heuer wieder attraktive Arbeitsstellen gefunden: Magdalena Galli und Sabrina Schwab durften beim Jugendfreizeitzentrum Radovánek sämtliche Abteilungen durchlaufen, Kseniia Lutsenko und Katharina Fink traten eine Stelle beim Pilsener Bezirksamt an, Frederic Ohnhauser und Rainer Wilka kamen mitten am Stadtplatz im Informationszentrum Bayern-Böhmen unter. Patrick Pöllath, IT-Fan, freute sich über eine Stelle in einer Software-Firma und für Jessica Hötzel standen im Rahmen ihrer Tätigkeit beim Euro-Zentrum Pilsen gleich eine Informationsveranstaltung über Österreich und eine Dienstreise nach Budweis auf dem Programm.

 

Andrea Hielscher, Juni 2018

 

Deutsch-tschechisches Lebensmittel-Domino mit Sprachanimateurin Dagmar Christofová und Assistent Marcus Reinert
Die Weidener Gruppe und Leona Jiránková (rechts) während der Stadtrallye vor dem Gebäude des Pilsener Tandem-Büros
Herzlicher Empfang durch Jana Tupová (2. v. r.) für Frederic und Rainer im Infozentrum Bayern-Böhmen
Drei BFSF-Kandidaten packen das anspruchsvolle Niveau B2 des DELF an.

Erfolg der BFSF 2 beim DELF scolaire:

 

Zum zweiten Mal B2 geknackt

 

Nach der erfolgreichen Teilnahme unserer Schülerinnen und Schüler der BFSF2 im letzten Jahr war es zur Freude des Französischteams nun bereits zum zweiten Mal soweit: Ende April fand wieder die Zertifikatsprüfung DELF scolaire statt. Die drei Kandidaten Alicia Löw, Ellena Schmidschneider und Michael Werner stellte00n sich dem anspruchsvollen Niveau B2 – und wurden für ihren Mut und ihre Kenntnisse mit dem Prädikat „bestanden“ belohnt. Ein großer Erfolg, zu dem wir herzlich gratulieren: Félicitations!

 

Das „Diplôme d’Etudes en Langue Française“ ist ein internationales Zertifizierungsprogramm, das die Französischkenntnisse der Prüflinge in die Niveaus des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) von A1 bis B2 einteilt. Seitdem an der BFSF Französisch als Erste Fremdsprache unterrichtet wird, kann nun B2 als höchste der vier Stufen angestrebt werden. Die Vorbereitung, wie z.B. Übungen zum Hör- und Leseverstehen sowie Aufgaben zum Verfassen eines logisch strukturierten Textes und das Trainieren der mündlichen Ausdrucksfähigkeit, wurde in die Französischstunden eingebaut.

 

Als zertifizierte Prüferin stand Judith Schieder zur Verfügung, die bei der Organisation und Durchführung von den beiden Kolleginnen Annelies Cipa und Daniela Fuhrmann unterstützt wurde.

Nach der fast dreistündigen schriftlichen Prüfung an einem Samstagvormittag, die wie jedes Jahr von Muttersprachlern des Institut français in München korrigiert wurde, folgte am darauffolgenden Montag dann der mündliche Teil. Hier stellten die Schülerinnen und Schüler in einer 20-minütigen Einzelprüfung unter Beweis, dass sie den Inhalt eines französischen Original-Zeitungsartikels erfassen und sinngemäß wiedergeben können. Anschließend mussten sie die Fragen der Prüferin beantworten und in einer Diskussion ihre eigene Meinung zu einem Thema verteidigen.

 

 

Judith Schieder, Mai 2018

 

 

 

 

Die FAE 2 mit Swenja Gawantka (5. v. r.), Adriana Hirsch aus der FAE 3 (3. v. l.) und Ehrengast Carolin Schiml, FAE-Absolventin 2017 (links).

Untertitel-Workshop für die Fachakademie:

 

TED macht Lust aufs Übersetzen

 

Bill Gates war schon da, Al Gore, Jamie Oliver, Bill Clinton... das Namedropping ließe sich beliebig fortsetzen. Die Rede ist von den innovativen TED-Konferenzen, die seit 1990 alljährlich in Monterey, Kalifornien, stattfinden und deren beste Vorträge aufgezeichnet und kostenlos ins Internet gestellt werden. TED steht für „Technology, Entertainment, Design“ und ist ebenso wie sein Ableger TED-Ed („Ed“ wie Education, hier werden „Erklär-Videos“ erstellt) gemeinnützig organisiert. TED hat Anhänger auf der ganzen Welt, denn die Themenpalette ist immens; außerdem übersetzen Freiwillige die Untertitel in inzwischen über 130 Sprachen. Bemerkung am Rande: Das erfolgreichste Video – übrigens zum Thema, ob die Schule Kreativität tötet – wurde bereits über 50 Millionen Mal angeklickt.

 

Swenja Gawantka, die auf Einladung von Fachbetreuerin Andrea Hielscher Anfang Mai einen TED-Workshop an der Fachakademie hielt, ist Idealistin. Seit über einem Jahr kümmert sich die junge Übersetzerin ehrenamtlich um die Untertitelung von TED-Videos, korrigiert sie und gibt sie als eine von nur drei Sprachkoordinatorinnen im deutschsprachigen Raum frei. „Language Coordinator“ (LC) ist die höchste Stufe, die man in der Community erreichen kann. Ein LC hat auch die Aufgabe, sich um die neuen Übersetzer zu kümmern und ihnen die Regeln fürs Untertiteln nahezubringen. Diesen Service bekamen die Studierenden der FAE 1 und 2 sowie der Integrationsdolmetscherklasse jetzt aus erster Hand. Besonders erfreulich: Auch einige Kolleginnen nutzten spontan das Angebot und nahmen am Workshop teil; sogar eine ehemalige Studierende, inzwischen selbst Übersetzerin, und eine mitten in den Abschlussprüfungen steckende Studierende der FAE 3 ließen sich blicken.

 

Mit einer PowerPoint-Präsentation führte Swenja Gawantka in die Thematik ein, wobei sprachliche Aspekte im Vordergrund standen. Untertitel sollen kurz, präzise und klar sein, damit sich der Zuschauer noch auf Bild und Ton konzentrieren kann. Englisch hat einen anderen Rhythmus und meist knappere Ausdrucksmöglichkeiten als das Deutsche, weshalb übersetzte Inhalte oft verdichtet werden müssen. Auch die Satzzeichen folgen teilweise anderen Regeln, idiomatische Ausdrücke entpuppen sich oft als Fallen. Anhand einer Reihe von Beispielen erfuhren die Zuhörer Schritt für Schritt, welche Klippen sich in den Weg stellen können und wie man sie elegant umschifft. Anschließend folgte eine kurze Einführung in die von TED verwendete Untertitel-Software Amara.

 

An der FAE wird erwogen, im nächsten Schuljahr ein TED-Übersetzungsprojekt einzuführen, denn das Untertiteln macht Spaß und man kann sich ein Thema aussuchen, das einem liegt. 30 Tage hat man für eine Übersetzung Zeit, bevor sie zum Korrektor weitergeht. In diesem Schuljahr haben die FAE 2 und 3 im Unterricht bereits drei Erklär-Videos untertitelt: „Die Sage von König Midas“,„Wie weiß unser Körper, dass wir satt sind?“ und „Wie Aspirin entdeckt wurde“, wobei Studierende der Fachakademie Kempten beim dritten Video die Korrektur übernahmen. Die Freigabe im Netz erfolgte – jeweils mit einem ausführlichen Kommentar zu Stärken und Schwächen – selbstverständlich von Swenja.

 

Der Workshop gefiel den Studierenden so gut, dass allgemein der Wunsch nach einer – diesmal technisch-praktisch orientierten – Fortsetzung am Ende des Schuljahres laut wurde. Ein großes Dankeschön an Swenja Gawantka und auf Wiedersehen im Juli!

 

Andrea Hielscher, Mai 2018

 

 

 

Simone (2. v. r.) mit Arbeitskolleginnen auf der Dachterrasse ihrer Firma in Brünn.

Interview mit Ex-Absolventin Simone Guschlbauer:

 

„Ich bin nicht die erste Verrückte, die nach Tschechien ging!“

 

Du hast letzten Herbst einen Arbeitsplatz in Tschechiens zweitgrößter Stadt Brünn angenommen. Wie ist es dazu gekommen?

 

Eigentlich war das eine Reihe von Zufällen. Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, ich würde nach Tschechien gehen, hätte ich diese Person ausgelacht.

 

Wir waren damals in Pilsen auf Praktikum. Eine Klassenkameradin bekam Besuch von ihrem Freund. Wir saßen alle zusammen im Restaurant Švejk. Irgendwann machte der Freund eine Bemerkung, er habe auf der Autobahn hierher Werbung einer Webseite für fremdsprachige Arbeitsplätze gesehen. Hätte er das nicht erwähnt, wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen, mich ins Ausland zu bewerben. Zurück in Deutschland habe ich dann diese Seite gesucht.

 

Die Stellenangebote in Prag haben mich nicht wirklich interessiert. Irgendwann hatte ich dann Brünn im Visier, obwohl ich damals keine Ahnung hatte, wo genau das eigentlich liegt. Dabei bin ich dann auf Reed Global gestoßen, eine Arbeitsvermittlung, die ich nur wärmstens empfehlen kann!

 

Genau zwei Tage, nachdem ich mich auf eine der Stellen beworben hatte, bekam ich einen Anruf von Reed Global, durch den ich mehr Informationen über die Firma und Brünn erhielt. Danach hatte ich den ersten Kontakt mit der Personalabteilung und ein Bewerbungsgespräch via Skype. Dann ging alles recht schnell: Innerhalb einer Woche stand fest, dass ich die Stelle bekommen würde. Das muss Ende Juli gewesen sein, nach den Abschlussprüfungen. Und am 4. September 2017 habe ich dann die Stelle hier in Brünn angetreten.

 

Warum hast du dir keine Stelle in Deutschland gesucht?

 

Tatsächlich habe ich auch in Deutschland gesucht, bin aber nicht fündig geworden bzw. habe nie Zusagen bekommen. Bis dahin hatte ich keinerlei Arbeitserfahrung und somit war es nicht einfach, überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Und selbst wenn ich diese Hürde geschafft hatte, waren andere Kandidaten immer besser. Eigentlich wollte ich ja wirklich Übersetzerin werden, aber ich hatte Angst, als Selbstständige meinen Lebensunterhalt nicht bestreiten zu können.

 

Außerdem wollte ich herausfinden, wie es sich in einem anderen Land lebt und arbeitet. Durch mein Praktikum in Pilsen hatte ich bemerkt, dass es mir in Tschechien eigentlich ziemlich gut gefällt. Viele wollen in Deutschland arbeiten, aber die Wenigsten gehen von Deutschland weg, zumindest nicht nach Tschechien. Abgesehen davon macht sich so ein Aufenthalt im Ausland im Lebenslauf immer ganz gut.

 

 

Du hast zwar Tschechisch gelernt, aber der Schritt ins östliche Nachbarland erscheint doch sehr mutig. Was hat den Ausschlag gegeben?

 

Irgendwann hat es mir gereicht, in Deutschland ständig nur abgewiesen zu werden. Ich fragte mich, wo ich mit meinen Deutsch- und Englischkenntnissen wohl von Nutzen sein könnte. In Deutschland erwartet jeder Arbeitgeber sozusagen, dass man Deutsch und Englisch auf hohem Niveau spricht. Deshalb hatte ich hier somit meine einzige Besonderheit verloren. Kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt, nach England zu gehen, aber da war dann diese Sache mit dem Brexit, wo keiner weiß, wie genau es eigentlich weitergeht.

 

Also dachte ich an Tschechien, da ich ja zumindest tschechische Grundlagen habe. Mein Tschechisch war – und ist – leider noch nicht gut genug, um damit wirklich punkten zu können. Da dachte ich mir: Wieso nicht besagte tschechische Basiskenntnisse ausbauen und vielleicht später einmal damit nach Deutschland zurückkommen? Ich fasste den Plan, zwei bis drei Jahre in Tschechien zu bleiben, meine Sprachkenntnisse zu verbessern, Arbeitserfahrung zu sammeln, um dann in Deutschland eine Stelle anzunehmen, in der ich Tschechisch brauchen würde. Jetzt bin ich mir mit diesem Plan nicht mehr so sicher, denn ich bin sehr gerne hier und könnte mir auch gut vorstellen, länger zu bleiben.

 

Du hast inzwischen in Brünn schon den Job gewechselt. Beschreibe kurz beide Tätigkeiten und den Grund des Wechsels.

 

Die erste Tätigkeit kann man nur Call Center nennen. Ich arbeitete in einem Unternehmen, das Flüge zu günstigen Preisen verkauft, indem es alle möglichen Flüge miteinander verbindet, auch wenn die eigentlichen Airlines nichts miteinander zu tun haben. Dieses eher ungewöhnliche Konzept hat dann nicht selten zu Problemen geführt. Da die Passagiere das Konzept meistens nicht verstanden, waren sie oft wütend, wenn sie bei uns anriefen und noch dazu länger als geplant in der Warteschleife hingen. Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht ewig dort bleiben würde. Nach einiger Zeit wurde die Atmosphäre im Unternehmen immer düsterer. Das lag nicht an meinen großartigen Kolleginnen, sondern am Betriebsklima und dem großen Druck, unter dem wir täglich standen. Kurz und gut: Irgendwann entschied ich mich, etwas anderes zu suchen.

 

Gefunden habe ich meine jetzige Arbeit bei der Jobbörse Monster, wo ich mit Verkaufsvertretern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammenarbeite. Man kann meine Tätigkeit als eine Art Schnittstelle zwischen den Vertretern und unserem internen Backoffice bezeichnen. Die Vertreter sind in ganz Europa verteilt, in Deutschland, Österreich, den Benelux-Staaten, in Großbritannien, Frankreich und Spanien, um ein paar aufzuzählen. Hier in Brünn befindet sich quasi das Zentrum des Kundendienstes. Mit dieser Stelle hatte ich wohl auch mehr Glück als Verstand, da diese Aufgaben ursprünglich von Deutschland aus erledigt, aber dann nach Brünn verlegt wurden und man dafür dringend Personen mit Deutschkenntnissen brauchte. Wieder ging alles ganz schnell: Ich hatte das Bewerbungsgespräch, bekam am gleichen Abend die Zusage und drei Tage später fing ich dort auch schon an.

 

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Kannst du von deinem Verdienst einigermaßen leben?

 

Ich arbeite in einem offenen Büro, unser Team besteht aus zwei Tschechen und mir. Ich habe keinen direkten Kundenkontakt mehr, sondern arbeite nur mit den anderen Abteilungen zusammen, ob die jetzt in meinem Gebäude oder im Ausland sitzen. Im Allgemeinen geht es darum, Verträge zu generieren, an den Kunden zu schicken und die unterschriebenen Exemplare an das Backoffice weiterzuleiten, damit es den Auftrag einbucht und die Produkte freigibt. Manchmal kommt es auch vor, dass der Kunde seinen Auftrag stornieren möchte, dann leite ich die Stornierung an das Backoffice weiter.

 

Meistens sind die Anfragen recht einfach, aber ab und zu kommt es schon vor, dass es knackigere Probleme gibt. Am stressigsten ist es immer am Monatsende, da jeder Kundenvertrag noch in dem Monat gebucht werden muss, in dem er abgeschlossen wurde, und die Firmen am Monatsende eine Rechnung für die Produkte erhalten sollen, die sie verbraucht haben. Dafür bin ich auch verantwortlich. Meine Arbeit gefällt mir viel besser, als ich je gedacht hätte, da es sich ja im Grunde genommen „nur“ um einen Bürojob handelt.

 

Von meinem Gehalt kann ich sehr gut leben. Ich kann sogar jeden Monat noch eine gewisse Summe für die BAföG-Zurückzahlung beiseite legen. Gleichzeitig kann ich es mir noch leisten, abends ins Kino oder zum Essen zu gehen oder mich mit Bekannten zu treffen. Natürlich werfe ich das Geld nicht mit beiden Händen zum Fenster hinaus, aber ich nage auch nicht am Hungertuch.

 

Fairerweise muss ich zugeben, dass ich für tschechische Verhältnisse überdurchschnittlich gut bezahlt werde, auch wenn ich mit der umgerechneten Summe in Deutschland nicht wirklich über die Runden kommen würde. Ich kenne mich, ehrlich gesagt, nicht mit den üblichen Gehältern hier in Brünn aus. Aber nach allem, was ich gehört habe, kann ich mich wirklich nicht beklagen, auch wenn ich jetzt ein bisschen weniger verdiene als an meiner ehemaligen Arbeitsstelle – zu der ich trotzdem nicht zurück möchte.

 

Wie und wo wohnst du? Wie würdest du deine privaten Kontakte und dein soziales Leben beschreiben?

 

Momentan wohne ich in einer Art Studentenunterkunft. Ich habe mein eigenes Badezimmer, muss mir aber die Küche und die Waschmaschine mit meinen Mitbewohnern teilen. Manchmal ist das schon ziemlich nervig. Alles in allem bin ich aber mit meiner Unterkunft sehr zufrieden, vor allem, da ich eine recht geringe Miete zahle. Allerdings sehe ich mich langsam nach einer neuen Wohnung um.

 

Mein Sozialleben ist sehr gut. Es gibt mittlerweile viele Events und Treffen speziell für Ausländer und ich besuche regelmäßig eine Reihe englischsprachiger Veranstaltungen. Es sind so viele, dass ich nicht immer alles schaffe, was ich möchte. Ich habe Menschen aus aller Welt kennengelernt – aus Australien, den USA und vielen europäischen Ländern wie Frankreich, Österreich, Großbritannien, Polen, Kroatien und Schweden. Natürlich habe ich auch ein paar Deutsche getroffen – ich bin also nicht die erste Verrückte, die nach Tschechien ging!

 

In welchen Sprachen verständigst du dich?

 

Tatsächlich rede ich ein bisschen mehr Englisch als Deutsch. Englisch ist in meinem Unternehmen die offizielle Firmensprache, in der natürlich auch all unsere Meetings stattfinden. In meinem Team wird aber hauptsächlich Deutsch und Tschechisch gesprochen. Wenn ich unterwegs bin, spreche ich meistens Englisch, da ich mich viel mit Ausländern treffe und Englisch natürlich unsere gemeinsame Sprache ist. Tschechisch benutze ich aktiv bisher leider viel zu selten.

 

Nenne ein paar Unterschiede zwischen dem Leben in Tschechien und in Bayern. Was vermisst du in Tschechien? Was findest du gut?

 

Der größte Unterschied ist natürlich die Sprache. Obwohl ich im Alltag gut zurechtkomme, gibt es immer wieder Situationen, in denen ich mir fundiertere Tschechischkenntnisse wünsche. Ein weiterer großer Unterschied ist die "Ausgehkultur". In Weiden sind die Straßen unter der Woche ab circa 6-7 Uhr abends wie leer gefegt. In Brünn geht es zu dieser Zeit erst richtig los. Manchmal glaube ich sogar, dass während der Woche noch mehr los ist als am Wochenende. Außerdem haben hier die meisten Läden auch am Sonntag geöffnet, was sehr hilfreich ist, wenn man mal etwas vergessen hat oder spontan Lust auf einen Shoppingtrip bekommt. In dieser Hinsicht bin ich wohl schon ein bisschen von Tschechien verwöhnt. Manchmal vermisse ich es allerdings, im Alltag, zum Beispiel beim Einkaufen oder im Restaurant, Deutsch zu sprechen.

 

Wie stellst du dir die nächste Zukunft vor?

 

Da es mir hier in Brünn sehr gut gefällt, möchte ich sicherlich noch ein paar Jahre bleiben. Was danach kommt, weiß ich noch nicht so genau. Vielleicht lasse ich mich hier nieder, vielleicht gehe ich aber auch zurück nach Deutschland – oder es zieht mich in eine komplett andere Richtung. Vielleicht fange ich an, professionell zu übersetzen (das ist etwas, das ich noch nicht komplett aufgegeben habe), vielleicht suche ich mir eine neue Stelle.

 

Welche Empfehlung gibst du Absolventen unserer Fachakademie bei der Arbeitssuche?

 

Eigentlich nur etwas wirklich Wichtiges, woran ich vor einem Jahr noch nicht geglaubt habe: Lasst euch nicht entmutigen, wenn es nicht sofort klappt, manchmal kommt man über Umwege an sein Ziel. Oder man landet irgendwo, woran man noch nie gedacht hat, und fühlt sich dort unglaublich wohl. Und geht immer euren eigenen Weg, egal, was andere dazu sagen.

 

Die Fragen stellte Andrea Hielscher

 

 

 

 

CAE auf Top-Level:

 

Glänzend bestanden

 

Geschafft! Mathias Wirth, Patrick Pöllath und Jessica Hötzel, alle FAE 2 (v. l.), und auch Chloe Schneider, betreuende Lehrerin (rechts), freuen sich sichtlich über den Erfolg. Die drei Kandidaten haben im März erfolgreich an der CAE-Prüfung (Cambridge Advanced English) teilgenommen, wobei Mathias und Jessica insgesamt sogar das Niveau C2 erreichten. Dieser Test prüft die vier Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen auf Niveau C1 des Europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Um die Durchführung der Prüfungen kümmerte sich wie in den vergangenen Jahren Michaela Kamm vom Test Centre Amberg. Wir gratulieren Jessica, Patrick und Mathias zu ihrer Leistung!

 

Chloe Schneider, Mai 2018

 

 

 

Hilfe bei der Integration –

 

Die angehenden Integrationsdolmetscher bei der zweiten Stellenbörse für Flüchtlinge

 

 

Schon zum zweiten Mal ermöglichte die Agentur für Arbeit Weiden unseren angehenden Integrationsdolmetschern, ihr Können live und in praxisnaher Arbeitsatmosphäre zu beweisen.

Mitte April machten sich auf´s Neue zwei unserer Studenten auf den Weg zur Arbeitsagentur, um den ca. 80 eingeladenen Flüchtlingen und Migranten auf der „Jobbörse Flucht und Migration“ mit Rat und Wort zu helfen, wo dies nötig war.

Von 14:00 Uhr bis ca. 16:00 Uhr tummelten sich dann die Arbeitssuchenden im Eingangsbereich der Arbeitsagentur, um die speziell für sie ausgewählten Stellenangebote zu studieren und sich dann in den Büros in Einzelgesprächen beraten zu lassen. Die etwa 130 Stellen reichten vom Gastronomie- bis zum Bauwesen.

Beim Dolmetschen kamen Abdulrahman Alkadri und Yaser Alnassar dann ganz schön ins Schwitzen: Natürlich aber keinesfalls wegen ihrer Dolmetschfähigkeiten – die sind wirklich lobenswert; vielmehr deswegen, weil der Andrang auf die beiden Studierenden so groß war!

Für die uns zum wiederholten Male gebotene Praxiserfahrung und die gelungene Kooperation mit der Arbeitsagentur Weiden wollen wir uns an dieser Stelle noch einmal recht herzlich bedanken, insbesondere bei Projektinitiator und Teamleiter Klaus Gredinger.

 

Katharina Kiener (April 2018)

 

 

 

 

 

Freuen sich mit den erfolgreichen DELE-Kandidaten: Prüfungsleiter Guillermo Grünewald (links) und die Spanischlehrerinnen Alicia Grünewald (4. v. l.) und Barbara Deubner (rechts) bei der Diplomübergabe.

¡Felicitaciones – Glückwunsch zum DELE!

 

Sieben Kandidaten knacken Niveau B1

 

Das Spanisch-Team der Berufsfachschule, bestehend aus den Lehrerinnen Alicia Grünewald, Rosa Gutierrez und Barbara Deubner, ist sich absolut einig: „Das sind wirklich Ausnahmekandidaten!“ Auf Anhieb haben Nadine Alijaj, Katharina Fleischhauer, Betül Inal, Teresa Ramsauer, Melat Sisay, Felix Braungardt und Niklas Krapf, alle aus der BFSF 2, im zweiten Jahr Spanischunterricht das bisher noch nie Dagewesene geschafft – das Niveau B1 des weltweit anerkannten spanischen Sprachdiploms DELE (Diploma de Español como Lengua Extranjera).

 

Für diesen Erfolg gibt es – abgesehen von der Qualität des Unterrichts und dem persönlichen Engagement der Kandidaten – zwei Gründe. Zum einen besuchten die Schülerinnen und Schüler zusätzlich einen Vorbereitungskurs unter Leitung des Prüfungsbeauftragten Guillermo Grünewald am „Spanisch Training Center“ in Weiden, das als offizielles Prüfungszentrum vom Instituto Cervantes anerkannt ist. Das Instituto Cervantes, benannt nach dem Verfasser des Weltliteratur-Romans „Don Quijote“, entspricht dem deutschen Goethe-Institut und ist weltweit für die Verbreitung des Spanischen zuständig. Außerdem nahm die Mehrzahl der Prüfungsteilnehmer im Rahmen des EU-Programms Erasmus an einer dreiwöchigen Fortbildung in Madrid teil, um Sprachkenntnisse zu verbessern und in die spanische Lebensweise einzutauchen.

 

DELE-Sprachdiplome sind international im universitären Bereich anerkannt und stellen auch bei Bewerbungen im In- und Ausland eine zusätzliche Qualifikation dar. Am Prüfungstag mussten die Kandidaten ihre Spanischkenntnisse in den Bereichen Leseverstehen, Hörverstehen sowie mündlicher und schriftlicher Ausdruck unter Beweis stellen, was sie mit Bravour gemeistert haben. Herzlichen Glückwunsch!

Barbara Deubner / Andrea Hielscher (April 2018)

 

 

 

Theaternetzwerk „Cojc“ wirbt für deutsch-tschechisches Projekt:

 

Grenzland-Spurensuche nach 80 Jahren

 

Was haben „Brunch“ und „Cojc“ (sprich: „Tscheutsch“) gemeinsam? Es sind Kofferwörter, Wortkreuzungen aus zwei Elementen mit neuer Bedeutung. „Breakfast“ und „Lunch“ in einem haben sich längst als Wochenendritual etabliert. „Cesky“ und „deutsch“ gleichzeitig geht es zu, wenn junge Leute aus beiden Nationen grenzübergreifend Kultur betreiben – dank des seit Juli 2010 existierenden gemeinnützigen Theaternetzwerks „Cojc“, das Begegnungen dieser Art organisiert und die Ergebnisse auf die Bühne bringt.

 

„Schwanenmostek Labutíbrückl“ heißt das neueste Projekt, für das Theaterpädagoge Marcus Reinert (halb rechts, vor der Tafel) kurz vor den Osterferien an der Fachakademie die Werbetrommel rührte. Mitte Juli werden sich je acht deutsche und tschechische junge Leute im längst verschwundenen Dorf Schwanenbrückl (tschechisch: Mostek) an der bayerisch-böhmischen Grenze auf Spurensuche begeben. Vor rund 80 Jahren setzten dort das Münchner Abkommen und Hitlers Besetzung der „Rest-Tschechei“ dem gemeinsamen Leben von Tschechen, Deutschen und Juden ein jähes Ende. Diese Zeit soll wieder auferstehen, Eindrücke und Erfahrungen sollen dokumentiert werden.

 

Mit tschechischen Sprachspielereien und alten deutschen sowie modernen tschechischen Landkarten stimmte Reinert die Studierenden des 1. und 2. Jahrgangs auf das mit öffentlichen Geldern geförderte Projekt ein und warb um Teilnahme. Ausgangspunkt für die historischen Exkursionen wird die Jugendherberge in Waldmünchen sein, der Unkostenbeitrag für die gesamten sieben Tage einschließlich Fahrt, Unterkunft und Verpflegung beträgt 70 Euro.

 

Andrea Hielscher, März 2018

 

 

 

Tag der offenen Tür an Berufsfachschule und Fachakademie:

Tapas, Technik und Tablet

 

Englisch, Französisch, Spanisch und Tschechisch. Das sind die Kernfächer an unserer Berufsfachschule für Fremdsprachenberufe und an der Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen. Am Tag der offenen Tür im Februar standen diese Sprachen im Mittelpunkt. Zukünftige Schüler, ihre Eltern und interessierte Gäste nutzten das Angebot, sich ausführlich über eine Berufsausbildung im Bereich Fremdsprachen zu informieren. Derzeit können unsere Schüler und Studierenden ihren Abschluss als Staatlich geprüfter Fremdsprachen-, bzw. Euro-Korrespondent sowie als Staatlich geprüfter Übersetzer und Dolmetscher machen.

 

Für diejenigen, die jede Station besuchten und sich an allen Aktivitäten beteiligten, war es kein Problem, das Tagesrätsel zu lösen. Eine Anstrengung, die sich für Sita Kraus lohnte: Sie freute sich sehr über ihren Preis, ein Tablet.

 

Jeder Fachbereich präsentierte sich mit einem individuellen Angebot. Das Englisch-Team demonstrierte, wie das Simultandolmetschen in einer Dolmetscherkabine funktioniert. Die Besucher erfuhren im Gespräch mit den zukünftigen Dolmetschern und Übersetzern, worauf es beim Simultan- und Konferenzdolmetschen sowie beim Übersetzen ankommt und welche Fähigkeiten und Interessen man mitbringen muss, wenn man diese Berufe ergreifen möchte.

 

Die Integrationsdolmetscher zeigten enormen Einsatz, um ihre Sprache und Kultur zu vermitteln. Die sprichwörtliche arabische Gastfreundschaft konnten alle im arabischen Café genießen, wo die Studierenden verschiedenste Köstlichkeiten aus ihrer Heimat anboten.

 

Mit einem Schnupperkurs, bei dem die Teilnehmer schnell merkten, dass es Spaß macht, die Sprache unserer Nachbarn im Westen zu lernen, lockte das Französisch-Team die Frankophilen. Diejenigen, die ein bisschen Zeit mitbrachten, blätterten in den Französisch-Lehrbüchern und erfuhren genau, wie der Unterricht aufgebaut ist und welche Kompetenzen die Schüler während der Ausbildung erwerben.

 

Bienvenido hieß es bei den Spaniern, die mit leckeren Tapas lockten. Gestärkt durch die kleinen, feinen Häppchen konnte sich jeder an Wortschatzspielen versuchen oder sich am Büchertisch über die spanischsprachige Welt informieren.

 

Die Studierenden der Fachakademie warben dafür, Tschechisch zu lernen. Aussprache und Schreibung dieser slawischen Sprache sind gar nicht so kompliziert, wie viele denken, auch im Wortschatz gibt es etliche Parallelen zwischen dem Deutschen und dem Tschechischen. Die Besucher, die sich an der tschechischen Sprache versuchten, überzeugten sich schnell davon.

 

Italienisch, eine der Lieblingssprachen der Bayern, können unsere Schüler im Wahlfach belegen. Die Teilnehmer des Italienischkurses erklärten anhand italienischer Wörter, die jedermann kennt, die Aussprache. Capito – so das Fazit der Besucher.

 

Eine Englisch- und Deutsch-Lernwerkstatt, Infotische zu sämtlichen Sprachzertifikaten sowie zum Wirtschaftsunterricht rundeten das Programm ab. Auf reges Interesse stießen Vorträge über die Ausbildungsangebote der Fremdsprachenschulen, die Möglichkeiten zu Sprachaufenthalten in Europa und die Option, ein Masterstudium in England anzuschließen.

 

Wie danken allen, die zum Erfolg des Tags der offenen Tür beigetragen haben, ganz herzlich und freuen uns schon auf die neuen Schüler und Studierenden für unsere Schulen.

 

Petra Straßenmeyer

 

 

 

Vorlesestunde für kleine Lesemäuse in der Bibliothek – Geschichten in zwei Sprachen für eine Welt

 

„Bücher sind fliegende Teppiche ins Reich der Phantasie“ (James Daniel): Schon zum zweiten Mal entführte die Regionalbibliothek im Februar ihre kleinen großen Besucher in der deutsch-arabischen Vorlesestunde in eine andere Welt.

 

Die Studierende Media Melli und die ehemalige Schülerin der Berufsfachschule Randa Moussa erklärten sich nur zu gerne wieder bereit, den Kindern in der Vorlesestunde abenteuerliche, lustige und lehrreiche Geschichten vorzutragen – und das in zwei Sprachen, nämlich in Arabisch und in Deutsch.

Von der zweisprachigen Vorlesestunde profitieren Kinder – und auch Erwachsene – jeglicher Herkunft, egal ob nun arabischer oder deutscher: Schon allein der Klang einer fremden Sprache stimuliert das Gehirn und erweitert das Lautspektrum; Kinder mit der Muttersprache Arabisch bekommen durch die Vorlesestunde arabischen Input, damit ihre Herkunftssprache nicht verloren geht; und außerdem werden das gegenseitige Verständnis und die Integration gefördert, womit Kinder sich ja sowieso leichter tun als einige Erwachsene, bedauernswerterweise. Mittlerweile hat Ruth Neumann, die Betreuerin der Kinder- und Jugendbibliothek und Organisatorin der zweisprachigen Vorlesestunde, schon einige Bücher angesammelt, die in beiden Sprachen verfasst sind. Und es werden immer mehr.

Auf dem Lesestundenplan standen dieses Mal Die Bremer Stadtmusikanten in modernisierter Form. Danach lehrte uns Ritter Winzig, dass es in Ordnung ist, anders zu sein, ja dass dies sogar manchmal Vorteile hat – vor allem, wenn man einen Riesen vertreiben muss, der das Land bedroht. Denn worauf es ankommt, ist nicht körperliche Größe, sondern geistige! Wenn alle Erwachsenen doch nur immer dem Grundsatz dieses Kinderbuchs folgen würden, wäre die Welt wohl ein Stück toleranter und der ursächliche Grund für die Notwendigkeit einer zweisprachigen Vorlesestunde ein positiverer als Krieg und Vertreibung.

Doch genau in solchen Zeiten braucht es Menschen wie Ruth Neumann: Sie versucht, gegenseitige Toleranz und Momente des Glücks zu schaffen. Wir sagen Danke, dass wir Teil davon sein dürfen, und bedanken uns recht herzlich bei Frau Neumann für die Kooperation!

 

Katharina Kiener, Februar 2018

 

 

 

50 Jahre Deutsch-Französisches Seminar in Fischbachau:

 

Freundschaft auf höchstem Niveau

 

Französischlehrerin Judith Schieder bekam als erste Vertreterin der Weidener Sprachenschulen eine Einladung zum hochkarätig besetzten Deutsch-Französischen Seminar im oberbayerischen Fischbachau. Hier ihr Bericht:

 

Ende Januar stand alles im Zeichen der deutsch-französischen Beziehungen: Zeitgleich zum Deutsch-Französischen Tag, der auch an der Berufsfachschule für Fremdsprachenberufe begangen wurde, und eine knappe Woche nach dem 55. Jahrestag des Elysée-Vertrags fand in Fischbachau (Landkreis Miesbach) das renommierte Deutsch-Französische Seminar statt.

 

Wie jedes Jahr lud das Institut français in München in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatskanzlei eine Auswahl an etwa hundert höheren Beamten und Richtern in das idyllische Fischbachau in den Alpen ein. Dieses Jahr feierte man gemeinsam das 50-jährige Jubiläum dieser dreitägigen Fortbildungsveranstaltung.

 

So konnten die Seminarteilnehmer einerseits ihre kulturellen Kenntnisse dank einer Fülle an französischsprachigen Gastrednern aus verschiedensten Bereichen wie Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Kultur und Politik vertiefen. Besonders spannend war eine Debatte zwischen den beiden Abgeordneten der Assemblée Nationale, Christophe Arend und Frédéric Petit, die von der bekannten ARD-Korrespondentin Barbara Kostolnik geleitet wurde. Bei den sogenannten „tables rondes“ bekam man zudem die Gelegenheit, in kleineren Kreisen die französische Sprache anzuwenden bzw. aufzubessern und mit den Experten hautnah noch offene Fragen zu klären.

 

Zwischendurch konnte man sich bei Drei-Gänge-Menüs und interessanten Unterhaltungen im schönen Ambiente des Aurachhofes stärken. Abends wurde dann kulturelles Programm geboten. An dieser Stelle ist der Chanson-Abend mit der französischen Sängerin Dany Tollemer und dem deutschen Pianisten Andreas Rüsing besonders nennenswert, da sie sowohl bekannte französische Hits und Medleys als auch eigene Lieder ausdrucksstark zum Besten gaben.

 

Das Jubiläumsseminar endete mit einem Festakt in der Münchener Allerheiligen-Hofkirche der Residenz, der von der bayerischen Staatsministerin für Europaangelegenheiten und regionale Beziehungen, Dr. Beate Merk, geleitet wurde.

 

Judith Schieder, Januar 2018

 

 

 

Die angehenden Integrationsdolmetscher und ihre C2-Arabisch-Prüfung Teil 2:

Offizielle Verleihung der Zertifikate

 

Anfang Februar schmissen sich die angehenden Integrationsdolmetscher in angemessene Schale, um ihr „Arabic Language Proficiency Certificate“ entgegenzunehmen, das offiziell das Niveau C2 in der arabischen Sprache bestätigt.

 

Puh – beim Eintreffen der Prüfungszeugnisse aus Leipzig machte sich große Erleichterung breit: Alle Teilnehmer hatten die Arabisch-Prüfung gemeistert, und das sogar mit Bravour! Wieder war ein Meilenstein auf dem Weg zum Integrationsdolmetscher bewältigt.

Diese Leistung musste natürlich entsprechend gewürdigt werden, also kam es gar nicht in Frage, dass die Zeugnisse einfach nebenher im laufenden Unterricht ausgeteilt werden – ein festlicher Rahmen sollte da schon sein! Also trafen sich die Studierenden in schicker Robe am 07. Februar im Berufsschulzentrum, wo die Bestenehrung stattfand.

Schulleiter Josef Weilhammer fand viele lobende Worte für die bisherigen Leistungen der angehenden Integrationsdolmetscher und machte nochmals deutlich, wie schwierig eine Sprachprüfung auf dem Level C2 doch sei, da es sich hier um „Sprache auf wissenschaftlicher Ebene“ handele. Auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Landrat Andreas Meier beglückwünschten die Studierenden zur bestandenen Prüfung, die derzeit übrigens nur in Leipzig und durch die Kooperation mit Prof. Schulz in Weiden möglich ist.

 

Katharina Kiener, Februar 2018

 

 

Bingo! „Herr W“ gibt den Zuhörern mit seinen Chansons Rätsel auf.
Für die Gäste der beiden Weidener Realschulen gab es einiges zu raten.
Gruppenbild mit „Herrn W“: Annelies Cipa (links) und Daniela Fuhrmann (2. v. r.) von der BFSF sowie die Kolleginnen Angelika Beddig-Jaeger (2. v. r.) und Jutta Wilke (rechts) von den Realschulen.

Weidener Realschulen zu Gast an der BFSF:

 

„Herr W“ bringt Musik in den Deutsch-Französischen Tag

 

Premiere an der Berufsfachschule: Am 25. Januar 2018 begrüßten die Französischlerner der Klassen BFSF1 und BFSF2 Schülerinnen und Schüler aus den beiden Weidener Realschulen. Zusammen mit ihren Lehrerinnen, Angelika Beddig-Jaeger von der Sophie-Scholl-Realschule und Jutta Wilke von der Hans-Scholl-Realschule, kamen rund 40 neugierige junge Gäste in die Aula der Sprachenschulen. Aus Anlass des Deutsch-Französischen Tages hatten die Französischlehrerinnen der BFSF, Daniela Fuhrmann und Anni Cipa, die Initiative ergriffen und die beiden Kolleginnen aus den Realschulen zu einer gemeinsamen Veranstaltung eingeladen.

 

Für Unterhaltung und den spielerisch-heiteren Umgang mit der französischen Sprache sorgte einmal mehr der französische Sänger Hervé Glatigny, alias „Herr W“, mit seinem Bingo français. Aus einer Sammlung von französischen Volks- und Kinderliedern galt es, auf der eigenen Spielkarte jene herauszuhören, die „Herr W“ soeben präsentiert hatte. Drei glücklichen Gewinnern gelang es im Laufe des Vormittags, erst eine Reihe, dann zwei und schließlich sogar alle Felder auf ihrem Karton zu markieren – sie bekamen jeweils einen kleinen Preis zur Belohnung.

 

Zwischendurch gab es eine Stärkung am Buffet, das die beiden BFSF-Klassen zuvor perfekt hergerichtet hatten: Bei Elsässer Flammkuchen, Mini-Schokocroissants und Frischkäse-Baguettes konnten Kontakte geknüpft und vertieft werden. Auch das „Franzosenzimmer“ wurde von den Realschülerinnen und -schülern schon einmal in Augenschein genommen.

 

Am Ende dieses fröhlichen Vormittags waren sich alle Beteiligten darüber einig, dass die Veranstaltung mit Sicherheit nicht die letzte ihrer Art bleiben sollte. A bientôt donc!

 

 

Daniela Fuhrmann, Januar 2018

 

 

 

 

 

 

 

Die angehenden Integrationsdolmetscher und ihre C2-Arabisch-Prüfung:

Muttersprachler-Niveau von höchster Stelle durch Prof. Schulz verifiziert

 

Unsere Studierenden der FAA mussten Ende 2017 wieder einmal durch eine Zusatzprüfung unter Beweis stellen, dass sie das Zeug zum Integrationsdolmetscher haben. Getestet wurde das Sprachniveau C2 Arabisch, für das ein offizieller Nachweis erbracht werden musste.

Schon in der Vorbereitungszeit wurde klar, dass das kein Zuckerschlecken wird. Da denkt man jetzt vielleicht: „Eine Prüfung in der Muttersprache kann doch nicht so schwierig sein?!“ Von wegen – die Prüfungen haben es in sich, denn es ist sehr wohl ein Unterschied, eine Sprache lediglich zu sprechen, oder diese eben auch wirklich zu beherrschen und mit Fachtermini beschreiben zu können.

Dank der Vorbereitung durch Hamid Si-Mohammed, ein seit diesem Jahr an der Fremdsprachenschule tätigen Arabisch-Lehrer, gelang dieses Unterfangen. Si-Mohammed war bestens mit der Materie vertraut, denn er war einst selbst Student von Prof. Eckehard Schulz, einem – oder besser gesagt dem – renommierten Fachmann für arabische Sprache und Kultur, der jahrelange Erfahrung in der islamischen Welt vorzuweisen hat. Sein AL-ARABIYYA-INSTITUTE gründete Eckehard Schulz, Professor am Orientalischen Institut der Universität Leipzig, im Jahr 2011. Gepaukt wurde mit dem Standardlehrwerk für Arabisch schlechthin – ebenfalls ein Ergebnis der langen Vertrautheit von Prof. Schulz mit der arabischen Welt.

Am 18. Dezember war es dann so weit: Herr Prof. Eckehard Schulz und dessen Sohn Robert Schulz reisten höchstpersönlich aus Leipzig an, um unseren acht angehenden Integrationsdolmetschern die Prüfung für C2 Arabisch abzunehmen. Das AL-ARABIYYA-INSTITUTE bietet den weltweit ersten standardisierten Arabisch-Test nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) für Sprachen. Der Test, wie zuvor auch schon die Vorbereitung, lief online ab, alles hochmodern. Schon zwei Tage später wurden uns dann die erfreulichen Ergebnisse aus Leipzig übermittelt.

Für die ausgesprochen freundliche und hilfsbereite Kooperation mit Prof. Schulz und Herrn Schulz wollen wir uns alle an dieser Stelle noch einmal recht herzlich bedanken!

Katharina Kiener, Dezember 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schulleiter Josef Weilhammer führte bei seiner Begrüßung auch in die Minenfelder der tschechischen Zungenbrecher ein.
Kseniia Lutsenko aus der Ukraine schaffte auf Anhieb Niveau A2 – Schulleiter Josef Weilhammer und Fachbetreuerin Andrea Hielscher gratulierten.
Die erfolgreichen Kandidaten der Polizei und der Fachakademie mit Ehrengästen und Gastgebern.
Der spontan gebildete Chor der FAE 1 unterstützt Rainer Wilka bei Johnny Cashs „Ring of Fire“.
Dieter Bergmann vom Bayerischen Kultusministerium (links) überreichte Stipendien an Patrick Pöllath Carrera und Frederic Ohnhauser (4. und 5. v. l.). Darüber freuten sich auch Annette Karl, MdL, Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher (3. v. l.) und Schulleiter Josef Weilhammer.
 

Tschechisch-Zertifikatsübergabe an den Sprachenschulen:

 

Ein Diplom für gute Nachbarschaft

 

Erfolg will genossen werden. Zur Übergabe der Tschechisch-Zertifikate der Prager Karls-Universität trafen sich Mitte Januar die Prüfungsteilnehmer – darunter Beamte der Bayerischen Polizei in Begleitung ihrer Vorgesetzten – an den Weidener Sprachenschulen und ließen sich in entspannter Atmosphäre angemessen feiern. Bei dieser Gelegenheit wurde gleich das neue E-Piano eingeweiht, das Josef Weilhammer zur kreativen Gestaltung des Schullebens kurz zuvor angeschafft hatte, denn Studierende der FAE 1 hatten sich spontan bereit erklärt, den Festakt musikalisch zu begleiten.

 

In zwei Dingen waren sich die Festredner einig: Englisch sei heute zwar absolut notwendig, aber nicht ausreichend; man müsse auf Partner aus anderen Ländern in deren eigener Sprache zugehen. Und auf diesem Gebiet hätten die Kandidaten trotz aller Tücken der tschechischen Sprache Großartiges geleistet. Schulleiter Josef Weilhammer hatte zu letzterem Thema gleich zwei tschechische Zungenbrecher in seine Begrüßungsrede eingebaut, die er aber dann doch lieber von Experten im Publikum aussprechen ließ.

 

Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher riet den Zuhörern, so wie er selbst zumindest genügend Tschechisch parat zu haben, um zu wissen, was die Polizei jenseits der Grenze von einem wolle. Landtagsabgeordnete Annette Karl plädierte angesichts der international problematischen politischen Lage für die ständige Bereitschaft zum Dialog. Polizeidirektor Hans Girschick vom Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei in Ainring/Oberbayern zeigte sich stolz auf die hervorragenden Leistungen seiner Leute: Zum allerersten Mal sei das Niveau A2 erfolgreich in Angriff genommen worden; die nächsthöhere Stufe werde angepeilt.

 

Es folgte die Zertifikatsübergabe an sieben Vertreter der Bayerischen Polizei, fünf Studierende der Fachakademie (Jessica Hötzel, Patrick Pöllath Carrera, Sara Welzel alle FAE 2 und Niveau A1, Kseniia Lutsenko, FAE 2, Niveau A2, und Frederic Ohnhauser, FAE 1, Niveau B2) und die Schülerin Kristýna Balk, Klasse WIN 10a an der Europa-Berufsschule (Niveau A1). Im Anschluss überreichten Josef Weilhammer und Dieter Bergmann vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst drei Stipendien für einen vierwöchigen Tschechischkurs an der Karls-Universität Prag im August. Dieses Jahr bewerben sich Frederic Ohnhauser (FAE 1), Patrick Pöllath Carrera und Pamela Neidt (beide FAE 2) für die Sommerschule, die vom Tschechischen Ministerium für Schulwesen, Jugend und Sport und vom Bezirk Oberpfalz finanziert wird.

 

Ein Highlight der Veranstaltung waren die Beiträge von Laura Witzl (Klavier) und Rainer Wilka (Gitarre) aus dem 1. Jahrgang der FAE, die spontan zugesagt hatten, für musikalische Unterhaltung zu sorgen. Das regte auch einige Klassenkameraden zum Mitmachen an, und plötzlich fand sich ein kleiner Chor zusammen, der bei der Europa-Hymne auch noch vom Publikum unterstützt wurde.

 

Andrea Hielscher, Januar 2018

 

 

 

Ein Klavier für jedermann an den Sprachenschulen:

 

A vous de jouer – Spiel mich!

 

Die Sprachenschulen haben ein Klavier bekommen – auf dem jeder spielen darf. Angeregt durch das Programm „Pianos en gare“ („Klaviere am Bahnhof“) der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF hat Josef Weilhammer ein E-Piano gekauft und es Hobbymusikern in der Aula der Sprachenschulen zur freien Verfügung gestellt. Ähnlich wie in Frankreich soll das Instrument unter dem Motto „A vous de jouer“ (etwa: „Bitteschön, spielen Sie!“) jedermann, der Lust dazu hat, zum spontanen Musizieren anregen und potenzielle Zuhörer möglichst erfreuen. Eingeweiht wurde das Klavier zur feierlichen Überreichung der Tschechisch-Zertifikate Mitte Januar von Laura Witzl aus der FAE 1 mit der Europa-Hymne, der Titelmelodie zum Film „Forrest Gump“ und der Komposition „River Flows in You“ des südkoreanischen Pianisten Yiruma. Die Spielfreude war der jungen Pianistin anzumerken und auch das Publikum zeigte sich sehr angetan.

 

Andrea Hielscher, Januar 2018

 

 

 

Alle Jahre wieder: Gruppenbild vor dem Eingang der Partnerschule (Bilder: Hielscher)
Kollege Ondrej Janda testet die Tschechischkenntnisse der Gäste am Smartboard ...
... und die Weidener tippen die Antwort fleißig in ihre Abstimmungsgeräte.
Moodle-Schulung mit Leona Jiránková (ganz rechts) für die Weidener Kolleginnen
Ein Prosit auf die bayerisch-tschechische Freundschaft!
Blick auf das winterliche Pilsen vom 16. Stock des CrossCafé

Akademie-Ausflug nach Pilsen:

 

Weihnachten 4.0 an der Partnerschule

 

Veselé Vánoce – Frohe Weihnachten! Als Auftakt zur letzten Schulwoche vor den Ferien brachen die drei Jahrgänge der Fachakademie zum fast schon traditionellen Ausflug nach Pilsen an die Partnerschule SŠINFIS auf. Dieses Mal hatten sich auch acht Lehrerinnen und eine der Sekretärinnen angeschlossen.

 

Um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden – die SŠINFIS ist immerhin IT-Schule –, organisierten die Deutsch-Kollegen Leona Jiránková und Ondrej Janda für die Gäste aus Weiden nach dem Empfang in der Schulmensa eine Art Mini-Fortbildung und zwar ganz im Sinne von „Schule 4.0“. Für die Studierenden gab es eine Lektion zu tschechischer Sprache und Landeskunde mit interaktiver Tafel und Abstimmungsgeräten, die Lehrer informierten sich über das reiche Angebot an Moodle-Kursen, das an der SŠINFIS im Unterricht und als Zusatzmaterial eingesetzt wird.

 

Anschließend stand für die jungen Leute die Erkundung der Pilsener Innenstadt in Kleingruppen unter Führung von tschechischen Schülern auf dem Programm, während die Lehrer im Restaurant des Pilsener Brauereimuseums genussvoll und altböhmisch zu Mittag aßen. Am Weihnachtsmarkt und im CrossCafé Sky im 16. Stock hoch über den Dächern der Stadt traf man sich dann unverhofft wieder. In bester Laune ging es ein paar Stunden später wieder heim nach Weiden.

 

Andrea Hielscher, Dezember 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Studierende der FAE 1 und 2 im Foyer der OTH mit ihren Tschechischlehrerinnen Jana Jodlbauer (3. v. l.) und Andrea Hielscher (3. v. r.). (Bild: Mure)
Christopher Vickers bei seinem Referat zur „Botschaft Bayerns“ in Prag (Bild: Pöhnl)

FAE-Studierende beim 2. Bayerisch-Tschechischen Hochschulforum an der OTH Weiden:

 

„Ohne Tschechisch geht es nicht“

 

Fachbetreuerin Andrea Hielscher ist jedes Mittel recht, um für die tschechische Sprache zu werben. Der Vortrag „Bayerisch-tschechische Beziehungen – warum es nicht reicht, nur Englisch zu können“ beim 2. Bayerisch-Tschechischen Hochschulforum war also willkommener Anlass für einen kleinen Schulausflug mit den Studierenden der ersten beiden Fachakademie-Jahrgänge an die Weidener OTH. Dort trafen sich Anfang Dezember zwei Tage lang weit über hundert hochkarätige Gäste aus Wissenschaft, Bildung und Politik zum Erfahrungsaustausch und zu Gesprächen über zukünftige grenzübergreifende Zusammenarbeit.

 

Auf der Rednerliste stand Dr. Hannes Lachmann, Ex-Weidener und inzwischen Leiter der Bayerischen Repräsentanz in Prag, den allerdings eine Grippe außer Gefecht setzte. Da es aber, wie in der Begrüßung anklang, noch Bayern gibt, „die spontan bereit sind, aus Prag nach Bayern zurückzukommen“, konnte kurzfristig Lachmanns Stellvertreter Christopher Vickers für den Vortrag gewonnen werden. Der meisterte seine Aufgabe mit Bravour und präsentierte seine Wirkungsstätte informativ und unterhaltsam.

 

Zuvor hatte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß in seinem Grußwort die engen wirtschaftlichen Beziehungen Bayerns und Tschechiens, insbesondere der Oberpfalz mit der Region Pilsen hervorgehoben und die Zusammenarbeit als beispielhaft bezeichnet. Tschechien sei mit der niedrigsten Arbeitslosenquote Europas und einem Exportüberschuss gegenüber der Bundesrepublik Deutschland ein Erfolgsmodell. Es sei also oberstes Ziel, die Zusammenarbeit zwischen Tschechien und Deutschland, speziell mit Bayern, weiter zu verstärken.

 

Als „ Schaufenster Bayerns in Tschechien“ bezeichnete Vickers die weiß-blaue Repräsentanz in Prag, die dieser Tage drei Jahre alt wird. Ihre Aufgabe sei es, als „Plattform für Projekte und Begegnungen“ Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Kultur beider Länder zu vernetzen. Das geschehe durch Besuchergruppen – man zähle bereits über 14 000 Gäste –, Empfänge und kulturelle Ereignisse wie Ausstellungen. Im letzten Jahr habe man in der tschechischen Hauptstadt erstmals zum Oktoberfest eingeladen, das naturgemäß etwas kleiner ausgefallen sei als das Münchner Original, aber großen Anklang gefunden habe.

 

Weiteres Ziel der Repräsentanz sei es, Lust auf die tschechische Sprache zu wecken. „Allein aus Höflichkeit und Neugierde sollte man ein paar Grundkenntnisse erwerben“, so Vickers. Es gebe aber z. B. für Geschäftsleute dafür auch ganz handfeste Gründe, denn „die beste Kommunikationssprache ist die Sprache des Kunden“. Mit Hilfe einer Statistik zeigte Vickers, dass die Fremdsprachenkenntnisse der Tschechen oft nicht ausreichend seien und man in kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht davon ausgehen könne, auf Englisch oder gar Deutsch verhandeln zu können.

 

Sprachkenntnisse bedeuten also beruflichen Erfolg. Anhand seines eigenen Lebenslaufs – Jurastudium in München, nebenher Tschechischunterricht u. a. in der „Sommerschule slawischer Studien“ in Brünn, Bewerbung an der Bayerischen Repräsentanz – zeigte Vickers, wie Karrieren entstehen. Dabei räumte er ein – erneut mit einer Statistik –, dass die tschechische Sprache nicht unbedingt zu den einfachsten gehöre. „Sie ist aber beherrschbar. Und wir haben gewonnen, wenn Tschechen und Bayern, die sich in ihrer Mentalität sowieso ähneln, gleichzeitig über einen Witz lachen können – und nicht zeitversetzt, wenn der Dolmetscher mit der Übersetzung fertig ist.“

 

Andrea Hielscher, Dezember 2017

 

 

 

Die Kandidaten für die Prüfungsteile A1 und B1 mit dem Prager Prüfungsteam Ivana Šálová, Zuzana Vlasáková, Jana Hyklová (hinten, v. r.) und Martina Benešová (hinten links) sowie Tschechischlehrerin Jana Jodlbauer (hinten Mitte).
Die Spannung steigt: Bei der A1-Prüfung steht der Hörverstehenstest an.
Die FAE 1 schließt erste Kontakte mit „echten Tschechen“ aus der Pilsener Partnerschule.
Der Besuch in der Arbeitsagentur kam bei den Tagesausflüglern aus Pilsen gut an.

Deutsch-tschechisch intensiv:

 

CCE-Prüfungen aus Prag und Kurzbesuch aus Pilsen

 

Der 10. November entwickelte sich an der Fachakademie ganz spontan zu einem deutsch-tschechischen Begegnungstag. Bereits zum 5. Mal reiste ein Team der Prager Karls-Universität an, um am Prüfungszentrum Weiden zwei Tage lang die tschechischen Zertifikatsprüfungen (CCE) in den Niveaus A1, A2, B1 und B2 abzunehmen. Neben den neun Teilnehmern des Beruflichen Schulzentrums traten auch acht Beamte der Bayerischen Polizei an, die sich ans Niveau A2 wagten, zudem eine externe Kandidatin der Deutschen Bahn und zwei junge Damen, eine aus den USA und eine aus Frankreich. Beide leben, arbeiten und studieren in Prag und haben sich nicht nur in die Stadt verliebt. Da ihre Prüfung zum Herbsttermin in Prag nicht stattfinden konnte, durften sie nach Rücksprache mit den Prager Verantwortlichen auf das Prüfungszentrum Weiden ausweichen. Alle Kandidaten wurden in den Kategorien Hörverstehen, Leseverstehen, Texterstellung und mündlicher Ausdruck auf Herz und Nieren geprüft, im Niveau B2 gab es zusätzlich noch einen Grammatikteil. Die Ergebnisse werden Mitte Dezember online zugänglich sein.

 

Kaum waren die Prüflinge in ihren Räumen verschwunden, klingelte bei Fachbetreuerin Andrea Hielscher das Handy: Der avisierte Bus aus Pilsen mit 50 Schülern der Partnerschule SŠINFIS und den beiden Deutschlehrern Leona Jiránková und Ond?ej Janda war zum Tagesausflug in Weiden angekommen. Acht Schüler wollten die Fachakademie kennenlernen und hatten während des Tschechisch- und Englischunterrichts Gelegenheit, Kontakt mit den Studierenden der FAE 1 anzuknüpfen – auf Deutsch, Englisch und sogar mit ein paar Brocken Tschechisch. Die Gäste werden sich dann kurz vor Weihnachten auf dem traditionellen Schulausflug der FAE nach Pilsen um die Besucher aus Weiden kümmern. Zwischenzeitlich zeigte Leona Jiránková in der FAE 2 das reiche Angebot an Moodle-Kursen, das an der SŠINFIS zur Verfügung steht und in dessen Rahmen auch Tests abgehalten und Noten gemacht werden. Außerdem wurden bereits Einzelheiten des Erasmus+-Berufspraktikums besprochen, das die FAE-Studierenden im Juni in Pilsen absolvieren werden.

 

Im Anschluss ging die tschechische Gruppe zur Führung durch die Weidener Arbeitsagentur mit Eva Koubová vom Welcome-Center, die im September einen Praktikanten aus der Pilsener Partnerschule betreut hatte. Nächste Woche reist Frau Koubová an die SŠINFIS, um dort ein Seminar zum Thema „Erfolgreich bewerben um einen Job in Deutschland“ abzuhalten. Zwischenbilanz: Seit Beginn der Partnerschaft zwischen den Schulen in Weiden und Pilsen hat sich die Zusammenarbeit auf allen Ebenen positiv intensiviert.

Andrea Hielscher, November 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hans-Jörg Schmidt plaudert über seine Wahlheimat Tschechien.

Prager Journalist Hans-Jörg Schmidt zu Gast in der Fachakademie:

 

Ein Büstenhalter ist kein Tankbeleg

 

„Mütterchen Prag hat Krallen“, war Franz Kafkas Überzeugung, und auch den Journalisten Hans-Jörg Schmidt lässt die tschechische Hauptstadt seit über einem Vierteljahrhundert nicht mehr los. Eineinhalb Stunden lang berichtete er am letzten Schultag vor den Allerheiligenferien den Studierenden der ersten beiden Fachakademie-Jahrgänge vom Leben in unserem Nachbarland – mal kritisch, oft mit viel Humor und immer liebevoll. Schmidt und die Tschechen haben sich gesucht und gefunden, seit der heute 64-Jährige gleich nach der Wende als Korrespondent nach Prag geschickt wurde. Seine kurzweiligen Plaudereien von Land und Leuten, Politik und Geschichte wirkten authentisch und kamen beim Publikum gut an.

 

Schmidt, der auf Vermittlung von Hans Wurm, Germanist und Tschechien-Liebhaber, nach Weiden gekommen war und am Abend zuvor in der VHS gelesen hatte, servierte dem Publikum als Aufwärmer gleich ein ernstgemeintes Kompliment: „Ich kann euch nur bewundern, dass ihr Tschechisch lernt!“ Sein eigener Weg durch den Sprachdschungel sei „mühsam, aber absolut notwendig“ gewesen, um Türen zu öffnen: „Mit Englisch kommt man nicht weit genug, weil jeder Angst hat, Fehler zu machen. Wird Tschechisch gesprochen, blüht der Gesprächspartner gleich auf. Und ohne Tschechisch hat man zum Beispiel gegen einen Prager Taxifahrer und seine Preispolitik null Chancen.“ Tschechischlernen lohnt sich also, auch wenn es bei der praktischen Anwendung die eine oder andere Panne geben kann. Seinen Beleg an der Tankstelle hätte Schmidt fast nicht bekommen, weil er an der Kasse statt einer „potvrzenka“ eine „podprsenka“ verlangte, womit er ungewollt Szenenapplaus erhielt – er hatte das Wort für „Büstenhalter“ erwischt.

 

Sieben Jahre musste Schmidt auf sein journalistisches Highlight warten, ein Interview mit Václav Havel, dem ersten tschechoslowakischen Präsidenten nach der Wende, der es gewagt hatte, sich für die Vertreibung der Sudetendeutschen öffentlich zu entschuldigen. Dafür habe es einige Schelte gegeben, es sei aber auch der Weg zur Versöhnung zwischen Deutschland und Tschechien frei geworden. Ein ganz anderer Mensch als der Literat und Intellektuelle Havel sei der frisch gewählte, vermutlich neue tschechische Premierminister Andrej Babiš, Wirtschaftsboss, Milliardär und schillernde Persönlichkeit, dem unter anderem nachgesagt wird, EU-Subventionen erschlichen zu haben: „Die Tschechen bewundern erfolgreiche Menschen. Und sie geben ihre Stimme Politikern, die ihnen versprechen, dass es ihnen in Zukunft besser gehen wird.“

 

Nächstes Thema: die Mentalität des Nachbarn. „Die Tschechen sind ein stolzes Volk – und in vielem ganz anders als die Deutschen“, so Schmidts Resümee. Mit am besten gefalle ihm die gemächliche Gangart im täglichen Leben, denn in Tschechien werde gearbeitet, um zu leben, und nicht umgekehrt wie hierzulande. Überhaupt sei der „lidský faktor“, der menschliche Faktor, allgegenwärtig und liebenswert, wenn man die Tschechen zu nehmen wisse. Schmidt hatte auch gleich ein paar Tipps parat: Damit rechnen, dass Tschechen „flexibler arbeiten“, Meister im Improvisieren sind, aber genauso gut zum Ziel kommen. Nicht pünktlich erscheinen, wenn man eingeladen ist, sondern mindestens eine Viertelstunde zu spät. Blumen schenken wirkt, da sie viel teurer sind als in Deutschland, protzig – Pralinen sind hier die bessere Wahl. Und die Tschechen sind als begeisterte Wanderer oft ganze Wochenenden lang mit der Familie unterwegs – die im Übrigen eine weitaus wichtigere Rolle spielt als in Deutschland.

 

Auch einige negative Punkte gab es zu verzeichnen. Schmidt nannte die ablehnende Haltung der Tschechen muslimischen Flüchtlingen gegenüber, den Neid auf angeblich vom Glück begünstigtere Nachbarn und die Neigung zu jammern, wobei er einräumte, es gebe in Tschechien eine Reihe „Verlierer der Gesellschaft“, die sich teilweise auch radikalen Parteien zuwendeten. So müssten Rentner durchschnittlich mit 400 Euro im Monat auskommen; das Durchschnittseinkommen allgemein liege bei 1200 Euro. Damit seien aber die hohen Mieten z. B. in Prag nicht zu stemmen. Facharbeiter bei Škoda bekämen 1500 Euro monatlich, ihre ähnlich qualifizierten Kollegen im Mutterkonzern Volkswagen allerdings das Drei- bis Vierfache davon, was die Unzufriedenheit im Land in den letzten Jahren habe steigen lassen.

 

Ein Aha-Erlebnis verschaffte Schmidt seinen Zuhörern zum Schluss, als er auf das Thema Einkaufstourismus zu sprechen kam. „Es gibt Persil-West made in Germany und Persil-Ost. Persil-West riecht angenehm, Persil-Ost penetrant. Joghurt-West gibt es in acht Sorten, Joghurt-Ost in drei oder vier und der Fruchtanteil ist geringer. Tschechische Kunden kommen sich betrogen vor und weichen, wenn sie grenznah wohnen, auf deutsche Supermärkte aus, wo noch dazu die Preise oft niedriger sind.“ Womit der Ansturm tschechischer Verbraucher auf das Angebot im Nachbarland logisch und absolut nachvollziehbar erscheint.

 

Andrea Hielscher, Oktober 2017

 

 

 

 

Halloween – eine schaurig schöne Entlassung in die Herbstferien

 

Wenn es draußen kälter wird, der Abend früher hereinbricht und der frostige Herbstwind die bunten Blätter von den Bäumen fegt, bis sie nur noch wie Skelette dastehen – dann sind die Herbstferien nicht mehr weit. Und somit naht auch das Fest der verstorbenen Heiligen und Seelen. Vor den katholischen Feiertagen begeht man auch in Deutschland immer häufiger All Hallows´ Eve, besser bekannt als Halloween. In dieser Zeit verschwimmen die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits, die Welten der Lebenden und der Toten werden angeblich durchlässig und es darf sich gegruselt werden.

 

Double, double toil and trouble; Fire burn, and caldron bubble.

So bunt und schauerlich wie es im Kessel von Shakespeares drei Hexen brodelte, so ging es auch in der BFSF 1 und 2 zu: Die letzten drei Stunden vor den Ferien standen dank der Lehrkräfte der Berufsfachschulen ganz im Zeichen des schauderhaften Halloween-Brauchs. Nachdem die Klassen in vier Gruppen aufgeteilt worden waren – in Pumpkins, Bats, Caldrons und Ghosts – verteilten sie sich auf die diversen Stationen:

Bei der ersten Station konnten Masken, Girlanden oder Fledermaus-Lesezeichen angefertigt werden, natürlich nach englischer Bastelanleitung. Je schrecklicher, desto besser – denn die Verkleidung und Maskierung soll schließlich böse Geister vertreiben.

An der zweiten Station konnte man sich dann schriftstellerisch austoben: Zu Satzanfängen und Einleitungen von grauenhaft unheimlichen Kurzgeschichten wurden nach Manier der großen Schauder-Schreiber eigene Horror-Ideen auf´s Blatt gezaubert. Eine andere Methode, bei der das Schicksal über die Art der Geschichte entscheidet, war „Roll a Story“ – der Würfel bestimmt über Charaktere, Zeit, Ort und Handlung.

Fehlen darf an einem solchen Tag natürlich auf keinen Fall das nötige Hintergrundwissen: Landeskunde live sozusagen. Es wurde berichtet über Ursprünge und Hintergründe des Brauchs, über seine Reise über den großen Teich und die Kommerzialisierung in Amerika, und über die Rückkehr nach Europa.

Als kleines Schauder-Schmankerl ging es dann für die einzelnen Gruppen noch auf unerforschtes Terrain – die Schüler wandelten quasi auch in verschiedenen Welten, da sie die Räumlichkeiten der vierten Station noch nie zuvor betreten hatten. Zu ihrem Glück, muss man sagen! Auf dem gespenstischen Dachboden der Schule erwartete sie nämlich ein Schüler, der vor ewiger Zeit von Frau Penny Wise beim Nachsitzen vergessen worden war. Der arme, gequälte Nachsitzer half bei der Flucht, indem er Hinweise in Laut- und Spiegelschrift in verschlossenen Koffern gab oder Lösungen in Reimen versteckte. So konnten alle Schüler der BFSF aus dem vergessenen Klassenzimmer fliehen und dem Fluch der Penny Wise entgehen. Der Tag endete dann mit Süßem, denn Saures gibt’s im Leben sonst genug.

 

Und die Moral von der Geschicht´:

Arrest bei Frau Penny Wise will ich nicht;

drum mach ich immer meine Hausaufgabe,

weil ich was Bessres als Nachsitzen vorhabe.

 

 

Katharina Kiener, Oktober 2017

 

 

 

Integration durch Arbeit –

 

Die angehenden Integrationsdolmetscher bei der Stellenbörse für Flüchtlinge

 

Nicht nur bloße Theorie im Klassenzimmer, sondern auch Praxis im zukünftigen Arbeitsumfeld – das ist, was die Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen ihren Schülern neben dem normalen Unterricht auch bieten und zeigen will.

Im Oktober bekamen zwei der angehenden Integrationsdolmetscher für Arabisch und Deutsch die Chance, ihre Fähigkeiten zu demonstrieren, und zwar bei der in der Region wohl größten Jobbörse für Migranten und Flüchtlinge in der Agentur für Arbeit in Weiden. Zwei Stunden lang konnten sich an die 90 Bewerber aus fünf Herkunftsländern über offene Stellen und Fördermöglichkeiten informieren, bei etwaigen Sprachbarrieren halfen dann unsere Integrationsdolmetscher weiter.

Empfangen wurden wir vom Teamleiter Klaus Gredinger vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Weiden. Nach einer kurzen Erklärung des Ablaufs ging es dann auch schon los: Die Stellenbörse war gut besucht und so hatten unsere Dolmetscher auch viel zu tun – geschickt übersetzten sie Fachtermini der verschiedensten Arbeitsbereiche, wie etwa Bäckerhandwerk, Logistik, Gastronomie, Einzelhandel und Baugewerbe. Auch zu den Einzelgesprächen, die nach der Auswahl eventuell geeigneter Stellen folgten, begleiteten die angehenden Dolmetscher die Arbeitsuchenden und halfen mit „Rat und Wort“.

Für die uns gebotene Chance und die gelungene Kooperation mit der Arbeitsagentur Weiden wollen wir uns an dieser Stelle noch einmal recht herzlich bedanken! Insbesondere auch bei der Pressesprecherin Karin Hartung, die das Projekt eingefädelt/initiiert hat.

 

Katharina Kiener, Oktober 2017

 

In den deutsch-tschechischen Workshops gab es Input zu verschiedenen europäischen Themen.
Frederic Ohnhauser aus der FAE 1 stellt im Plenum die Ergebnisse seines Arbeitskreises vor.

 

 

Ein Tag ohne Grenzen!?

 

Ausflug nach Marienbad zum Dialogforum „Let’s talk about Europe. Leben ohne Grenzen – Život bez hranic

 

Anstatt wie gewohnt ab 8 Uhr die Schulbank zu drücken, hatten wir Tschechisch-Schüler der Fachakademie für Fremdsprachen in Weiden Anfang Oktober etwas Besonderes auf dem Stundenplan: eine Fahrt nach Marienbad, Tschechien, um herauszufinden, wie es denn um die europäische Einheit bestellt ist. Mit im Bus waren Oberstufenschüler des Weidener Kepler-Gymnasiums und der deutsche Teil des Organisationsteams vom Informationsbüro des Europäischen Parlaments in München.

 

So wurden wir schon auf der Fahrt in vier Gruppen aufgeteilt, die sich später in Marienbad unter dem Motto „Let’s talk about Europe. Leben ohne Grenzen – Život bez hranic“ mit EU-Brennpunkten befassen würden. Ansonsten verlief die Grenzüberschreitung nach Tschechien eher unspektakulär: kein Warten, keine Kontrolle, keine Unsicherheiten, nur ein Schild, eine Tankstelle und ein Gebäude, das vage an vergangene, kompliziertere Zeiten erinnerte. Typisch EU eben, wie wir sie heute gewohnt sind.

 

Rein in die EU – oder lieber raus?

 

In Marienbad angekommen, wurden wir am dortigen Gymnasium in die Räume unserer Workshops geführt, wo schon die tschechischen Schüler auf uns warteten. Die „Grenze“ zwischen deutschen und tschechischen Teilnehmern überwand sich nicht ganz so selbstverständlich, doch mit etwas Anstoß durch die Vertreter des „European Youth Parliament“ sowie dank der englischen Sprache gelang es schließlich doch. Als diese Hürde genommen war, diskutierten wir über solche, die die EU zu meistern hat. So stellte sich der erste Workshop die Frage, ob eines der EU-Grundprinzipien, das Leben ohne Grenzen, noch eingehalten wird bzw. inwiefern man das diesem Prinzip zugrundeliegende Schengener Abkommen reformieren müsse. Andere Teilnehmer beschäftigten sich mit einer Thematik, die diese Frage überhaupt erst aufgebracht hatte, nämlich der Migrationskrise. Während die einen also unbedingt in die EU hineinwollen, wurden in der dritten Arbeitsgruppe jene analysiert, die unbedingt aus der EU hinauswollen – die Euroskeptiker. Exemplarisch sei hier der „Brexit“ genannt. Auch im Raum nebenan zerbrach man sich den Kopf über den Mangel an Interesse für die EU – hatten doch in Tschechien bei der letzten Europawahl gerade etwas mehr als 18 % der Bürger von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht.

 

Die Ergebnisse der Workshops wurden schließlich nach einem Ortswechsel zum Hotel Cristal Palace und einer kurzen, aber sehr genussvollen Kaffeepause im Plenum präsentiert und mit den geladenen Politikern diskutiert. Gekommen waren der Europaabgeordnete Albert Deß (CSU/ EVP), der wie wir eigens aus dem nahen Bayern angereist war, und der Marienbader Bürgermeister Petr T?ešnák, der spontan für seinen erkrankten Landsmann und Europaabgeordneten Pavel Poc (S&D) eingesprungen war und der, wie wir später von unserer Stadtführerin aufgeklärt wurden, „ein junger Pirat“ (sprich: Angehöriger der Piratenpartei) ist. Interessant waren hier gleich zu Beginn die persönlichen Europaerfahrungen der verschiedenen Generationen. Während wir eine Jugend erleben, in der freies Reisen in Europa eine Selbstverständlichkeit ist, berichtete Petr T?ešnák von Erinnerungen an endlose Wartezeiten an den Landesgrenzen, manches Mal sogar diese vergeblich. Als Albert Deß in jungen Jahren erstmals mit der EU in Berührung kam, steckte die selbst noch in den Kinderschuhen und seine eigene Großmutter wagte es nicht, an einen europäischen Frieden zu glauben. Diesen Frieden riskieren wollte unter uns Anwesenden letztendlich kaum jemand, was auch die digitalen Umfragen deutlich machten, an denen man per Handy teilnehmen konnte. Auch Zwischenfragen durfte jeder stellen, sofern er Zugang zum Meinungspool fand. Für einen fließenden Dialog sorgten Moderation und Dolmetscher, deren mühelose Zweisprachigkeit insbesondere uns Schülern der Fachakademie imponierte.

 

„Wer nicht wählt, lässt andere entscheiden“

 

Ganz ohne Einschränkungen gehe es allerdings in Europa auch nicht – das zumindest befand der Schengenraum-Workshop, der sich zwar einerseits für offene Grenzen aussprach, andererseits aber auch für erhöhte Grenzkontrollen in Gefahrenzeiten und Stabilität eines Landes als Voraussetzung für die EU-Mitgliedschaft. Albert Deß betonte, dass Verantwortung und Kosten für den europäischen Grenzschutz nicht weiter auf ärmere Mitgliedsstaaten abgewälzt werden dürften. Er befürwortete hier eine gemeinsame europäische Organisation und Finanzierung. Trotz der derzeitigen Herausforderungen zeigte sich der Workshop „Euroskeptizismus“ hinsichtlich der Zukunft der EU zuversichtlich. Wie Petr T?ešnák anmerkte, sei ein gesunder Skeptizismus ja durchaus positiv, zu oft werde jedoch die EU als Sündenbock für Probleme nationaler Regierungen auserkoren.

 

Erfreulich waren in diesem Zusammenhang auch die Ergebnisse der nachfolgenden Online-Abstimmung, bei der ca. 70 % Interesse an einer Beteiligung an den Europawahlen bekundeten – was einem höheren Prozentsatz entspricht, als Tschechien und Deutschland bei der Europawahl 2014 gemeinsam erreicht haben. Vielleicht müsse man die EU und ihre Parlamentswahl den Bürgern auch einfach nur mehr ins Gedächtnis rufen, so zumindest ein Lösungsvorschlag der Workshop-Gruppe. Die Redner nahmen sich diesen Vorschlag sogleich zu Herzen und warben für die Europawahlen 2019, denn, da waren sie sich einig, nicht zu wählen führe lediglich dazu, dass die eigene Zukunft von anderen entschieden werde.

 

Zuletzt wandte sich die Aufmerksamkeit jenen zu, die ihr Leben bewusst in die Hand der EU legen: die Flüchtenden. Sowohl im Workshop als auch in der großen Runde tendierten die Teilnehmer zu einer Kombination aus Bekämpfung der Fluchtursachen in den Herkunftsländern sowie einem europaweiten Konzept zum Umgang mit geflüchteten Menschen. Obwohl noch lange nicht alle Fragen beantwortet waren, war die Zeit leider schon viel zu bald abgelaufen. Abschließend gaben uns die Redner auf dem Podium eine einvernehmliche Botschaft mit auf den Weg: Überlasst eure Zukunft nicht anderen.

 

Goethe und Schwefelquellen

 

Mit diesem Appell im Ohr gingen wir zum gemeinsamen Mittagessen. Je nach persönlicher Präferenz konnte man dort weiter diskutieren oder das Gehörte erst einmal bei Schnitzel, Geschnetzeltem, Reis und Kartoffelsalat sacken lassen. Sobald der letzte Bissen gegessen und (vermutlich nicht) das letzte Wort gesprochen war, verabschiedeten sich die tschechischen Schüler, während sich die deutschen für eine Stadtführung rüsteten. Wegen des durchwachsenen Wetters kutschierte uns zunächst der Busfahrer durch die gewundenen Straßen des Kurortes. Unsere Stadtführerinnen ließen sich vom grauen Himmel nicht beirren und plauderten munter aus dem historischen Nähkästchen, während wir an den eindrucksvollen historischen Gebäuden vorbeifuhren.

 

Schnell wurde deutlich, dass besonders die Liebe die Großen der letzten Jahrhunderte in die feudalen Hotels und Badehäuser Marienbads führte – ob diese der Stadt oder einer Angebeteten galt, bleibt oft der Fantasie des Betrachters überlassen. Einer dieser berühmten Kurgäste war Goethe, dessen Denkmal an exponierter Stelle den Ausblick auf die Pracht der Stadt genießt und der wohl gerade seine letzte, unerwiderte Liebe zur 55 Jahre jüngeren Ulrike von Levetzow beklagte, als wir in seinem Rücken einen kleinen Abstecher an die frische Luft machten. Wir ließen ihn weiter in seinem Stuhl sinnieren und folgten durch die kunstvoll gestaltete Kolonnade dem Geruch nach Schwefel, der uns zu den berühmten Heilquellen Marienbads brachte. Auf eine Kostprobe verzichteten wir lieber, aber im nahegelegenen Oblaten-Laden testeten wir zum ersten Mal unsere Tschechischkenntnisse – und belohnten unsere noch holprigen Anfängerversuche gleich mit einer international bekannten Spezialität. An diesem Punkt neigte sich unser Tag in Tschechien auch schon dem Ende zu und wir sagten Marienbad ein beherztes „Na shledanou“ – wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

 

Noch eine Bemerkung am Rande: Auf der Heimfahrt habe ich übrigens die Grenze gänzlich verpasst - zumindest dieses Mal.

Katharina Fink, FAE 1, Oktober 2017

 

 

 

 

Tschechisch macht Spaß: Gruppenfoto der 150 Sommerschul-Teilnehmer an der Prager Karls-Universität.
Bei der Abschlussveranstaltung ging es traditionell und feierlich zu. Links die Statue des Namenspatrons der Karls-Universität, Kaiser Karls IV.
Valentina Pajaziti meets Karel Gott – im Prager Wachsfigurenkabinett.

 

 

Sommerschule 2017 –

Barbara Forster (BFSF 2) und Valentina Pajaziti (FAE 3) berichten

 

Vom 28. Juli bis 25. August ging es für uns zwei Stipendiatinnen der Fachakademie und der Berufsfachschule in die Hauptstadt Tschechiens - Prag. Ermöglicht wurde dies im Rahmen der Sommerschule für slawische Studien, für die das tschechische Schulministerium in Koordination mit dem bayerischen Kultusministerium jedes Jahr Plätze für engagierte Weidener Tschechischlerner vergibt. Im Januar war uns zusammen mit dem Zertifikat für die Tschechischprüfung von Regierungsvizepräsident Walter Jonas und dem Leiter des Beruflichen Schulzentrums, Josef Weilhammer, die Stipendienurkunde überreicht worden. Wir freuten uns sehr über die Auszeichnung und auf die vier Wochen im Nachbarland.

 

Somit reisten wir beide am letzten Schultag vor den Sommerferien mit dem Auto in die tschechische Hauptstadt, suchten das Studentenwohnheim Kajetánka und machten uns auf zur Rezeption, um uns anzumelden und einzuschreiben. Da die Aufteilung vor Ort geregelt wurde, teilten wir nicht das Zimmer miteinander. Dank des umfangreichen Infomaterials, das wir erhielten, hatten wir aber nie das Gefühl, planlos in einer der Metropolen Europas zu sein. Glücklicherweise deckte das Stipendium die Kosten für Verpflegung, Unterkunft, den Kurs, eine Monatsfahrkarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel und zahlreiche Ausflüge ab. Lediglich für Hin- und Rückreise waren wir selbst verantwortlich.

 

Am zweiten Tag fand für alle Teilnehmer die offizielle feierliche Eröffnung des 61. Durchlaufs der Sommerschule statt, die von Direktorin Svatava Škodová arrangiert wurde. Wir wurden mit einem wunderschönen klassischen Konzert begrüßt. Gleich danach machten wir uns auf den Weg zum Einstufungstest, der schriftlich sowie mündlich in der Aula der Karls-Universität ablief. Nach dem Abendessen im Wohnheim Kajetánka veranstalteten die Organisatoren eine gemeinsame Kennenlern-Party unter den 150 Teilnehmern, die aus aller Herren Länder kamen. Am Sonntagabend bekamen wir die Ergebnisse des Tests und stellten fest, dass wir in verschiedenen Klassen gelandet waren, da wir unterschiedliche Sprachniveaus hatten. Aber wir schafften es in die beiden obersten Kategorien.

 

Es gab ungefähr zwölf Klassen, die in vier Stufen eingeteilt wurden. Somit waren die Klassen kompakt und das Lernen sehr effizient. Zusätzlich hatte man in der ersten Woche die Möglichkeit, den Kurs zu wechseln, falls man sich unter- bzw. überfordert fühlte. Der Unterricht im Herzen der Altstadt begann um 9 Uhr und endete meist um 13:30 Uhr, umfasste Grammatik, Wortschatzerweiterung, Konversation, tschechische Literatur, Landeskunde und vieles mehr. Zusätzlich konnten am Nachmittag Workshops und Vorlesungen besucht werden. Sie behandelten zum Beispiel die Themen „Prag aus unterschiedlichen Perspektiven“, Theater, Phonetik und die Entstehung der Tschechoslowakei.

 

Das Nachmittags- und Wochenendprogramm umfasste vielerlei Aktivitäten. Beispielsweise bot man uns am dritten Wochenende eine Fahrt nach Liberec (Reichenberg) zur Brauerei Svijany an. Selbstverständlich durfte am Ende des Besuchs eine Bierverkostung nicht fehlen. Wahlweise konnte man nach Pardubice (Pardubitz) fahren, dort gab es eine Führung in den Pferdestallungen und auf der Burg. Ein Orgelkonzert in einer der faszinierendsten Synagogen Prags war ein absolutes Highlight und eine Freude für die Ohren.

 

Den zahlreichen Sehenswürdigkeiten Prags widmeten wir uns in unserer Freizeit. Dort durfte natürlich eine Führung durch das Alte Rathaus nicht fehlen. Außerdem bekamen wir am Wochenende Besuch von Verwandten und Freunden, mit denen wir dann eine kleine Stadtführung unternahmen. Die Zeit verging wie im Flug und wir durften sehr nette Menschen kennenlernen und neue Freundschaften mit Menschen schließen, die in der Sommerschule ebenfalls ihre Tschechisch-Kenntnisse verbessern und aufbauen wollten.

 

Das Programm der Sommerschule wurde am letzten gemeinsamen Abend mit einer großen Feier im eindrucksvollen Saal der Karls-Universität und einem Buffet abgeschlossen. Die vier Wochen waren ein unvergessliches Erlebnis, bei dem wir viele wichtige Erfahrungen in Bezug auf Kultur, Sprache und Menschen gesammelt haben.

 

Zu guter Letzt möchten wir uns beim tschechischen Ministerium für Schulwesen, Jugend und Sport in Koordination mit dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst bedanken, das uns das Stipendium in einer der schönsten Städte der Welt ermöglicht hat. Besonderer Dank gilt auch Frau Andrea Hielscher, die ihre Schüler allzeit tatkräftig unterstützt und motiviert.

 

 

 

 

 

Ein Tag in Weiden

 

Václav Burdej, ein Schüler unserer Partnerschule in Pilsen, absolvierte Ende September ein zweiwöchiges Berufspraktikum beim Arbeitsamt Weiden. Die Unterkunft des Austauschschülers befand sich in Almesbach bei Weiden, einem Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchviehhaltung. Hier sein Bericht.

 

Es ist 06:40 Uhr in der Früh und ich steh auf, um in die Arbeit zu gehen. Ich ziehe mich an, kämme mich und gehe frühstücken. Ich esse eine Semmel mit Butter und Honig und dazu trinke ich einen Früchtetee. Ich sitze in einer Gruppe mit weiteren sechs Personen, die natürlich bayerisch sprechen. Ich verstehe „Servus“, „Tschüss“ und „Danke“. Alles andere ist für mich eine übermenschliche Aufgabe.

 

Nach dem Frühstück geh ich wieder zurück ins Zimmer, wo ich meine Zähne putze und meinen Rucksack packe. Der Bus fährt um 07:41 Uhr. Ich weiß, wenn ich um 07:26 Uhr losgehe, dass ich dann alles schaffen werde. Ich lege mich aufs Bett und surfe im Internet. Es ist 07:32 Uhr. Ja, wie immer schaffe ich es nicht. Anstatt zu gehen, laufe ich. Ich laufe bis zur Bushaltestelle Edeldorfer Weg in Neumühle. Steige in den Bus Nummer 4 ein. Meine Haltestelle ist die letzte, der ZOB. Die Fahrt dauert an die 15 Minuten.

 

In die Arbeit komm ich durch den Haupteingang, wo mich die Dame an der Rezeption anlächelt. Ich gehe Frau Koubová suchen. Meine heutige Aufgabe ist es, an der Rezeption zu sein. Ich trage die Leute ins System ein (Vorname, Nachname, das Problem, mit dem sie gekommen sind). Gegen 12 Uhr habe ich Mittagspause. Heute im Restaurant Palas. Nach dem Mittagsessen wieder zur Arbeit. Ich muss zwei Präsentationen zur Agentur erstellen. Diese Arbeit kostet mich den restlichen Tag. Es ist ein warmer Herbstnachmittag und unterwegs schaffe ich es noch, mir die Klamottengeschäfte anzuschauen. Ich kehre in die Unterkunft zurück.

 

Man kann doch nicht am Freitagabend zu Hause bleiben, wo die einzige Gesellschaft 100 muhende Kühe sind, die ein paar Dutzend Meter hinter meinem Zimmer wohnen. Ich ziehe mich an und fahre in die Stadt. Auf dem Marktplatz gehe ich in die nächstgelegene Kneipe und kaufe mir etwas zu trinken. Ich setze mich auf einen freien Platz. Am Nebentisch sitzen acht Leute in meinem Alter. Ich werde hier doch nicht alleine sitzen. Mein Deutsch ist nicht perfekt und sie reden bayerisch, also lautet meine erste Frage „Hi, do you speak English?“ Die Antwort „yes“ freut mich und so beginne ich, mit ihnen zu sprechen. Wir sitzen und unterhalten uns über Sport, die Schule, die Arbeit, Urlaub und über die Tschechische Republik.

 

Es ist 01:00 Uhr am Morgen und ich muss ins Internat. Es ist kalt, dunkel und der Weg zur Unterkunft dauert ca. 35 Minuten. Einer meiner neuen Freunde bietet an, mich mit dem Auto mitzunehmen, worüber ich sehr froh bin. Die Fahrt im warmen Auto war bei Weitem angenehmer als zu Fuß. Nach der Ankunft hab ich gebadet und mich ins Bett gelegt. Es schoss mir durch den Kopf, was für ein guter Tag es war und wie viele interessante Menschen ich getroffen hab.

 

Übersetzung aus dem Tschechischen: Kristina Othozorija, Hüseyin Cakar (FAE 3)

 

 

 

Václav mit Eva Koubová, die ihn bei seinem Praktikum in der Weidener Arbeitsagentur „wirklich fantastisch“ betreut hat.
Deutschlernen einmal erfrischend anders: Die Integrations-Dolmetscherklasse mit Autor Nefvel Cumart (hinten, 3. v. l.) und den Deutschlehrerinnen Andrea Hielscher und Katharina Kiener (hinten, 2. v. l. bzw. 2. v. r.).

 

 

 

Schreiben als Befreiung -

Workshop für die „Intis“ mit Nevfel Cumart

 

Der Schriftsteller, Referent, Übersetzer und Journalist Nevfel Cumart lebt irgendwie zwischen den Welten. Zwar ist er in Rheinland-Pfalz geboren und in Niedersachsen aufgewachsen, doch aufgrund seiner türkischen Wurzeln und seines Studiums der Turkologie, Arabistik, Iranistik und Islamwissenschaft in Bamberg ist er ebenfalls bestens vertraut mit einer uns oft (noch) so fremden Kultur. Nevfel Cumart kann also als Vermittler, als Brückenbauer zwischen den Kulturen gesehen werden und war deshalb bei den Integrationsdolmetschern Deutsch-Arabisch ein hochwillkommener Gast.

 

Am 26. und 27. September kam die Klasse in den Genuss, mit dem charismatischen Autor die deutsche Sprache entdecken zu dürfen. Das letzte Schuljahr war mit der Abschlussprüfung zum Fremdsprachen-korrespondenten und mit der C1-Prüfung in Deutsch kein Zuckerschlecken gewesen – die kreative Schreib-Reise mit Nevfel Cumart kam da gerade recht. Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik spielten nämlich hier ausnahmsweise einmal nur die zweite Geige. Im Vordergrund standen vielmehr der spielerische Umgang mit der Sprache, wobei einmal mehr unter Beweis gestellt wurde, wie weit die Studierenden auf dem Weg mit dem Deutschen schon gekommen sind. Nicht zuletzt lag der Fokus auch auf der Verarbeitung emotionaler Erlebnisse, ohne dass sich die jungen Autoren selbst entblößen mussten. Denn schon Gustave Flaubert bemerkte treffend: „Schreiben ist eine köstliche Sache; nicht mehr länger man selbst zu sein, sich aber in einem Universum zu bewegen, das man selbst erschaffen hat.“

 

In nächster Zeit werden einige der in der Schreibwerkstatt entstandenen Geschichten und Gedichte hier auf der Homepage veröffentlicht.

 

Katharina Kiener, September 2017

 

 

Praktikant Honza und Sprachanimatorin Michaela Vanková bringen die bunten Würfel ins Spiel, mit denen die Tschechisch-Anfänger Zahlen und Farben lernen sollen.
Beim deutsch-tschechischen Vokabel-Domino unterstützen sich Václav und seine neuen deutschen Bekannten aus der Fachakademie gegenseitig.

Das Berufspraktikum Pilsen-Weiden geht in die zweite Runde

 

Fortsetzung folgt – das hatten sich die Kolleginnen des Berufsschulzentrums Weiden, Andrea Hielscher, und der Pilsener Partnerschule SSINFIS, Leona Jiránková, letzten Herbst versprochen, als die sechs tschechischen Praktikanten nach 14 Tagen in der Oberpfalz zufrieden in ihre westböhmische Heimat zurückgekehrt waren. Mitte September reisten deshalb zwei Jungen aus Pilsen zum vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds finanzierten und vom Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch Tandem gemanagten Praktikum nach Weiden, um wie ihre Vorgänger erste Berufserfahrungen im Ausland zu sammeln.

 

Honza, der eigentlich Tam heißt und vietnamesischen Ursprungs ist, trat eine Stelle bei Stadtmarketing Weiden an, wo er wegen seiner Kommunikationsfreude und erstaunlich guter Deutschkenntnisse eine perfekte Wirkungsstätte fand. Václav kam in der Weidener Arbeitsagentur unter und lernte dort unter der Betreuung von Eva Koubová aus dem Welcome Center die Abläufe sämtlicher Abteilungen kennen. Um für seinen Auslandsaufenthalt gerüstet zu sein, hatte er eigens in den Ferien einen Deutschkurs am Bodensee absolviert. Die Jungen waren im Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchviehhaltung Almesbach untergebracht, dessen Verwaltung sich angesichts der klammen Finanzierung des Praktikums mehr als großzügig zeigte. Besonders gelobt wurde das gute Essen, mit dem die Schulkantine in Pilsen offenbar bei Weitem nicht mithalten kann.

 

Am Tag nach der Ankunft fand eine sprachliche und fachliche Vorbereitung des Praktikums statt, die von Sprachanimatorin Michaela Vanková flott, unterhaltsam und anschaulich gestaltet wurde. In das kurzweilige Programm wurden auch die ersten beiden Jahrgänge der Tschechischlerner an der Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen mit eingebunden, die nächsten Juni ihrerseits zum Berufspraktikum nach Pilsen fahren.

September 2017, Andrea Hielscher

 

 

 

Julia Bauer und Carolin Schiml mit Betreuerin Jana Tupová am Praktikumsplatz.
Schlangenbeschwörung auf Tschechisch: Claudia Stamate geht das Praktikum gelassen an.

Beim zweiten Anlauf lief’s schon besser

Praktikum der FAKF in Pilsen 2017

 

Ganz schön aufgeregt waren wir, die Studierenden der Fachakademie, die sich für ein 14-tägiges Praktikum in Pilsen Ende Juni angemeldet hatten. Schon die Anreise hinterließ bleibende Eindrücke: Die beiden Fahrer unserer tschechischen Minibusse lieferten sich ein paar rasante Überholmanöver auf der Autobahn, doch letztendlich brachten sie uns heil ans Ziel.

 

Nach den eher abschreckenden Erlebnissen mit der Unterkunft im letzten Jahr wurden wir heuer in richtigen Studentenwohnheimen nahe unserer Partnerschule im Stadtteil Bory untergebracht, wenn auch nur mit viel bürokratischem Aufwand, den unsere Betreuungslehrerin vor Ort, Frau Jiránková, auf sich nehmen musste. Die ersten beiden Tage verbrachten wir mit der Sprachanimateurin Michaela Vanková von Tandem Regensburg, der das Praktikum koordinierenden Organisation, die uns zusammen mit drei tschechischen Jungs aus dem Austauschprogramm unserer Schulpartnerschaft half, unsere Sprachkenntnisse so gut wie möglich aufzufrischen. Dank ihres besonderen und tatkräftigen Engagements fühlten wir uns bald bereit für unsere jeweiligen Praktikumsstellen!

 

Die Tätigkeitsfelder variierten so stark wie die aufnehmenden Einrichtungen: vom Pilsener Bezirksamt bis zum Jugendfreizeitzentrum Radovánek, von Urkundenübersetzungen bis zum Betreuen von Tieren im Streichelzoo. Wenn wir nicht gerade hart arbeiteten, unternahmen wir verschiedene Ausflüge, etwa zum nahegelegenen Badesee, in den Pilsener Untergrund, ins Einkaufszentrum, ins Techmania-Wissenschaftscenter oder wir probierten uns einmal kulinarisch durch die ganze Stadt. Ein besonderes Highlight war das Bierfest „Gambrinus-Tag“, das am ersten Wochenende stattfand und Scharen von Besuchern anlockte. Natürlich wollten wir uns nicht als ortsfremd outen und so passten wir uns den lokalen Gepflogenheiten an und becherten mit.

 

 

 

Alles in allem haben wir zwei äußert erlebnisreiche Wochen hinter uns, die wir so bald nicht vergessen werden. Auch unsere Tschechischkenntnisse haben von dem Aufenthalt profitiert. Wir bedanken uns bei allen, die es auch dieses Jahr wieder möglich gemacht haben, und hoffen auf eine Neuauflage im nächsten Jahr!

 

Carolin Schiml, FAKF 3 (Juli 2017)

 

 

 

Tat'ána Pohoralová (Mitte) mit Schülern der FAKF 2 und der Integrationsdolmetscherklasse Deutsch-Arabisch sowie der Abteilungsleiterin der Fremdsprachenschulen, Brigitte Ross (hinten links), und der Fachbetreuerin für Fremdsprachen, Andrea Hielscher (vorne links).

14 internationale Tage in der Oberpfalz

Hospitationsprogramm tschechischer Lehrkräfte an bayerischen Schulen

 

Mein Name ist Tat'ána Pohoralová, ich komme aus der Kleinstadt Krásno in Westböhmen und unterrichte Deutsch an der Berufsoberschule für Gastronomie in Karlsbad. Da mich Deutsch sehr interessiert, versuche ich seit vielen Jahren, in den Sommerferien einen Fortbildungsaufenthalt in Deutschland zu verbringen. Ich war schon in Heidelberg, Bamberg, Dillingen und Berlin. Dieses Jahr hatte das Tschechische Ministerium für Schulwesen, Jugend und Sport Stipendien für 14tägige Hospitationen an bayerischen Schulen ausgeschrieben, die das Bayerische Kultusministerium mitfinanziert und koordiniert, und ich habe eines bekommen. Und ich bin vom 26. Juni bis zum 7. Juli in Weiden in der Oberpfalz am Beruflichen Schulzentrum gelandet.

 

Eine Woche habe ich an der Europa-Berufsschule und eine Woche an den Fremdsprachenschulen hospitiert. Frau Rosemarie Winklmann, die Fachbetreuerin der Asylabteilung, brachte mich im Lehrlingswohnheim der Schule in einem schönen Einzelzimmer mit WC und Dusche unter. Das Frühstück war im Preis von 25 Euro pro Nacht inbegriffen und sehr lecker.

 

Am Montag wurde ich von Frau Winklmann zum Schulleiter, Herrn Josef Weilhammer, begleitet, der mich herzlich begrüßte und mir meinem Hospitationsplan gab. Danach wurde ich im Lehrerzimmer der Abteilung für Integration vorgestellt. Ich habe dann zusammen mit allen Lehrkräften an der Fortbildung zum Thema „Schulrecht“ (Herr Hubert Zölch) und „Apps und Lernplattformen für den Unterricht“ (Frau Yvonne Bothner) teilgenommen. Die nächsten Tage verbrachte ich in verschiedenen Asylbewerberklassen, wo Deutsch als Zweitsprache unterrichtet wird. Die Schüler kommen aus so unterschiedlichen Nationen wie Pakistan, Irak, Somalia, Syrien, Eritrea und Äthiopien und haben alle ein schweres Schicksal hinter sich. Das Sprachniveau war sehr unterschiedlich. Manche konnten sich schon sehr gut ausdrücken, andere hatten größere Probleme, und zwar nicht nur mit dem Sprechen, sondern zum Teil auch mit dem Lesen und Schreiben. Es hat mich beeindruckt, wie herzlich ich von allen Schülern begrüßt wurde und welches Interesse sie an meiner Person hatten. Und ich habe die Lehrer sehr bewundert, welche Arbeit sie bereits mit ihren Klassen geleistet haben.

 

Wirklich gefreut hat mich, dass ich am Samstag von Familie Winklmann zu einem Ausflug nach Regensburg und zur Walhalla eingeladen wurde und sogar bei ihnen zu Hause einen sehr gemütlichen Grillabend erleben durfte.

 

Die zweite Woche habe ich Frau Andrea Hielscher, die Fachbetreuerin für Fremdsprachen, durch die Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen begleitet. Obwohl in dieser Zeit die Abschlussprüfungen an den Fremdsprachenschulen in vollem Gang waren, wurde ich von allen Lehrkräften mit großer Gastfreundlichkeit empfangen. Besonders hat mich der Tschechischunterricht im 1. und 2. Jahrgang der Fachakademie beeindruckt, weil ausländische Schüler sehr selten Tschechisch lernen. Ich trainierte mit einer kleinen Gruppe Dialoge und Texte für die mündliche Prüfung in der Zweiten Fremdsprache und erzählte der Anfängerklasse von der Wochenendhaus-Kultur in Tschechien, ein Thema, das im Lehrbuch gerade behandelt wurde. Die Studierenden konnten kaum glauben, dass wir damals weder fließendes Wasser noch Strom hatten, aber die Ferien mit unseren Kindern in der „Hütte“ immer sehr genossen haben.

 

Ein besonderes Erlebnis war der Deutschunterricht in der Integrationsdolmetscherklasse Deutsch-Arabisch, einem einmaligen Projekt in Bayern. Wir übten gemeinsam Leseverstehenstexte für die C1-Deutschprüfung Mitte Juli. Hut ab vor den Deutschkenntnissen dieser Gruppe! Außerdem war die Atmosphäre von großer Herzlichkeit, guter Laune, viel Humor und echter Freude bei der Arbeit geprägt. Als ich am Ende der Stunde als kleines Dankeschön die Tafel wischen wollte, kam gleich ein junger Mann namens Mohammad und nahm mir mit den Worten „Das mache ich, das ist doch keine Arbeit für Sie!“ den Schwamm aus der Hand.

 

Der Hospitationsaufenthalt war mir viel wert, weil ich nicht nur den Unterricht anschauen konnte, sondern sich auch meine Fremdsprachkenntnisse wesentlich vertieft haben. Außerdem habe ich viel über die Bemühungen nachgedacht, die Deutschland macht, um die jungen Flüchtlinge in die Gesellschaft und das Arbeitsleben zu integrieren. Bei uns in Tschechien steht man Fremden skeptisch gegenüber, man möchte sie nicht im Land haben und es gibt viele Vorurteile. Vielleicht sollten wir darüber nachdenken und mehr Verständnis für diese Asylbewerber entwickeln.

 

Eigentlich war die Zeit in Weiden viel zu kurz, und ich fand es schade, dass ich schon wieder nach Hause fahren musste. Eine schöne letzte Erinnerung für mich bleibt das gemeinsame Abschieds-Abendessen im griechischen Restaurant mit Andrea Hielscher und der Abteilungsleiterin der Fremdsprachenschulen, Brigitte Ross, deren Eltern, wie ich herausfand, eng mit Karlsbad verbunden sind. Die Welt ist manchmal klein! Ein Dankeschön an Weiden und ich hoffe auf einen Gegenbesuch aus der Oberpfalz bei uns an der Schule.

(Juli 2017)

 

 

Berufspraktika in Pilsen 2017

 

Zum zweiten Mal brachen Mitte Juni Studierende der Weidener Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen zu einem 14-tägigen Praktikumsaufenthalt ins westböhmische Pilsen auf. Gesteuert wurde der Aufenthalt im Rahmen des europäischen Programms Erasmus+ wieder vom Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch Tandem in Regensburg. Für die Organisation zeichneten Leona Jiránková, Deutschlehrerin an der Pilsener Partnerschule SSINFIS (Berufsoberschule für Informatik und Finanzdienstleistungen), und Andrea Hielscher, Fachbetreuerin für Fremdsprachen an den Weidener Sprachenschulen, verantwortlich.

 

Bestens vorbereitet durch eine zweitägige Sprachanimation von Michaela Va?ková, starteten die zehn Weidener Praktikanten ihre jeweilige Tätigkeit am Pilsener Bezirksamt, in der Kinder- und Jugendfreizeitstätte Radovánek und im Regionalen Informationszentrum Bayern-Böhmen. Am ersten Wochenende stand ein besonderes Schmankerl an: Der „Gambrinus-Tag“, ein großes, von der Brauerei Pilsener Urquell ausgerichtetes Fest, verwandelte die Pilsener Innenstadt in einen riesigen Biergarten mit Kulturprogramm, wobei die hochsommerlichen Temperaturen zum Freiluft-Vergnügen beitrugen.

 

Besonders erfreulich: Zwischen den Weidener Gästen und den Pilsener Schülern, die im vergangenen Herbst ein Praktikum in Weiden absolviert haben bzw. nächsten September zu diesem Zweck nach Weiden kommen werden, entwickelte sich dank der Sprachanimation ein lebhafter Kontakt, der meist nicht auf Englisch, sondern tatsächlich auf Deutsch und Tschechisch gepflegt wurde.

Andrea Hielscher (Juni 2017)

 

 

Die Weidener Gruppe mit Schülern der Pilsener Partnerschule, Fachbetreuerin Andrea Hielscher (3. v. l.), ihrer Kollegin Jana Jodlbauer (ganz rechts) und Deutschlehrerin Leona Jiránková (3. v. r.)
Julia Bauer (links) fühlt sich an ihrem Praktikumsplatz im Regionalen Infozentrum Bayern-Böhmen sichtlich wohl.
Wie man Spaß und Tschechisch-Lernen spielerisch miteinander verknüpfen kann, demonstriert Sprachanimateurin Michaela Va?ková (vor der Tafel, sitzend).
Gruppenbild vor dem Prager Veitsdom

Fahrt der Bauzeichner und einer FAKF-Gruppe nach Prag:

Schnuppervisite im Goethe-Institut

 

Mitte Mai brachen die Bauzeichner mit ihren Lehrern Thomas Neumann und Günther Sawatzky zu ihrer schon traditionellen eintägigen Abschlussfahrt nach Prag auf. Mit dabei waren 15 Studierende der Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen mit ihren Tschechischlehrerinnen Andrea Hielscher und Jana Jodlbauer. Ein perfekter Frühlingstag hatte Unmengen von Touristen angelockt, so dass sich der Sightseeing-Fußmarsch vom Kloster Strahov in die Innenstadt teilweise im Schneckentempo vollzog. Dazu kamen noch zeitraubende Personenkontrollen mit Körperscanner an den Eingängen zur Prager Burg, die aufgrund der letzten Terroranschläge in westeuropäischen Metropolen angeordnet worden waren.

 

Auf die FAKF-Gruppe wartete am Nachmittag noch ein besonderes Highlight: Sie wurde von Dr. Christof Heinz, Leiter des Prager Informationszentrums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, am Altstädter Ring zu einem Besuch im Goethe-Institut abgeholt. Da Dr. Heinz die Anfänge der Fachakademie selbst als Lehrer miterlebt hatte, gab es ein freudiges Wiedersehen zwischen ihm und den „älteren Semestern“ der FAKF. Der Verein ist in einem feudalen, über 100jährigen Jugendstil-Gebäude am Moldauufer untergebracht, in dem vor der Wende die DDR-Botschaft ihren Sitz hatte. Dort begrüßte Thomas Freundorfer, Beauftragter für Bildungskooperation Deutsch, die Gäste mit einer PowerPoint-Präsentation, um ihnen die weltweite Arbeit des Instituts näherzubringen. Dazu gehören die Förderung der deutschen Sprache im Ausland, die Pflege der internationalen kulturellen Zusammenarbeit und die Vermittlung eines umfassenden politischen wie gesellschaftlichen Deutschlandbildes. Abschließend traf man sich zum Gruppenbild (ganz rechts: Dr. Christof Heinz und Jana Jodlbauer) in der frisch renovierten Bibliothek, wo zurzeit das Projekt „Bibliothek der Dinge“ läuft. Dort kann man sich Objekte wie zum Beispiel eine Nähmaschine, einen Plattenspieler, ein Teleskop, eine Diskokugel für die nächste Party und vieles mehr ausleihen, für die man nur punktuell Verwendung hat.

Andrea Hielscher (Mai 2017)

 

Carolin Schiml und Julia Bauer (Mitte, v. l.) mit BHS-Zweigstellenleiter Oliver Braun und der Assistentin der Geschäftsleitung, p. Krutinová.

Vier Tage Schnupperpraktikum bei BHS in Tachov:

Tschechische Gelassenheit meets deutsche Präzision

 

In der Woche vor Ostern absolvierten Carolin Schiml und ich, zwei Studierende der Abschlussklasse der Fachakademie, ein Betriebspraktikum bei BHS Corrugated in Tachov. Diese einmalige Gelegenheit wurde uns durch die Bewerbungstrainerin Birgit Barth ermöglicht, die Anfang Februar auf Einladung unserer Klassenlehrerin Andrea Hielscher nach Weiden gekommen war und den Kontakt zum Leiter der BHS-Zweigstelle in Tachov, Oliver Braun, hergestellt hatte. Danach waren wir an der Reihe, das Unternehmen in einem persönlichen Vorstellungsgespräch Ende Februar von unseren Qualitäten zu überzeugen.

 

Am 10. April 2017 begann das Abenteuer! Immer der aufgehenden Sonne entgegen, machten wir uns in aller Früh bestens gelaunt auf den Weg nach Tachov. Die Zweigstelle des weltweit größten Herstellers von Anlagen zur Wellpappenproduktion besteht in Tachov seit 1994. Dort angekommen, wurden wir von der Assistenz der Geschäftsleitung, paní Krutinová, herzlich begrüßt und den jeweiligen Abteilungsleitern vorgestellt. Diese wurden dazu angehalten, nach Möglichkeit mit uns ausschließlich Tschechisch zu sprechen, damit wir unsere sprachlichen Fertigkeiten verbessern konnten. Im Arbeitsalltag wird bei BHS Corrugated in Tachov in drei Sprachen kommuniziert: Deutsch, Tschechisch und Englisch, also genau den Sprachen, die an der Fachakademie unterrichtet werden.

 

In den folgenden vier Tagen wurden wir von den Abteilungsleitern durch das Werk geführt, wodurch wir einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen eines international agierenden Unternehmens erhielten. Jegliche Kommunikationsprobleme wurden durch einen amüsante Sprachmix aus Deutsch, Tschechisch und Englisch sowie die Herzlichkeit der BHS-Mitarbeiter schnell aus der Welt geschafft. Auch der Leiter der Zweigstelle, Oliver Braun, nahm sich trotz vollen Terminkalenders regelmäßig Zeit, um sich nach unserem Befinden zu erkundigen und uns über die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Tschechen sowie den daraus entstehenden Problemen zu erzählen.

 

Herr Braun erklärte sich auch freundlicherweise bereit, sich um unsere Unterbringung zu kümmern. Wir wohnten im regionalen Ausbildungs- und Informationszentrum REVIS, das im ehemaligen Gebäude der ersten tschechischsprachigen Schule in Tachov Räume für Sprachkurse und Seminare zu Verfügung stellt und im obersten Geschoss geräumige Zweibettzimmer mit kleiner Nasszelle anbietet. Die Kosten für Unterkunft und Frühstück übernahm freundlicherweise die Firma BHS. Auch hier war die Herzlichkeit der Tschechen sofort spürbar, so dass wir uns gleich wohl fühlten.

 

Nach der Arbeit blieb noch genug Zeit, um Tachov auf eigene Faust zu erkunden. Es ist mit über 12 600 Einwohner vielleicht nicht die größte Stadt, hat uns aber auf Anhieb gefallen, da das Stadtbild einen sehr gepflegten Eindruck macht.

 

Da seit 2016 auch in der Tschechischen Republik der Karfreitag ein Feiertag ist, konnten wir leider nur vier Tage bei BHS verbringen, aber diese Zeit war geprägt von der Begegnung mit herzlichen Menschen, vielen Gesprächen auf Deutsch, Tschechisch und Englisch, interessanten Einblicken in den Arbeitsalltag bei BHS und jeder Menge neuer Eindrücke für uns Praktikantinnen.

 

Fazit: Ein Praktikum in Tschechien ist eine Erfahrung, die wir jedem nur ans Herz legen können. So ein Aufenthalt ist ideal, um Vorurteile abzubauen und um die Tschechen von ihrer besten menschlichen Seite kennenzulernen. Jenseits der Grenze bietet sich außerdem ein Arbeitsmarkt mit Karrierechancen, dem noch viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. BHS Tachov ist also als Praktikumsort unbedingt einen Versuch wert.

Julia Bauer, FAKF 3

 

 

Birgit Barth (rechts) beim Bewerbungstraining mit der FAKF 3.

Bewerbungstraining FAKF 3:

Bei Fangfragen einfach cool bleiben

 

Nach dem Persönlichkeitstraining von Birgit Barth im Januar waren die Studierenden der FAKF 3 gespannt darauf, an einem zweiten Vormittag mehr zum Thema Bewerbung von ihr zu erfahren. Am 10. März war es dann soweit: Die Kommunikationstrainerin hatte diesmal die Bereiche Lebenslauf, Anschreiben und Vorstellungsgespräch auf der Agenda und brachte uns das Thema Bewerbung auf amüsante Weise näher.

Natürlich sollte mittlerweile jeder wissen, dass das Facebook-Profilbild nichts in den Bewerbungsunterlagen zu suchen hat und auch Rechtschreibfehler im Anschreiben nicht positiv auffallen. Doch was macht man eigentlich mit dem Glas Wasser, das einem während des Vorstellungsgesprächs angeboten werden kann? Und wie bringt man seine Stärken am besten zur Geltung? Sollte man wirklich jede Praktikumsstelle im Lebenslauf angeben? All diese Fragen stellen sich, wenn man seine Bewerbung vorbereitet. Aber wirklich Ahnung davon haben die Wenigsten.

Barth, die auch Unternehmen bei der Auswahl ihrer zukünftigen Mitarbeiter unterstützt, gelang es auf unterhaltsame Weise, die Aufmerksamkeit aller für sich zu gewinnen. Angefangen von den Bewerbungsfotos über Lebenslauf und Anschreiben bis hin zum tatsächlichen Vorstellungsgespräch wurden alle Themen humorvoll besprochen. Auch auf die gefürchteten Fangfragen während des Vorstellungsgesprächs wurde eingegangen. Auf viele dieser Fragen gibt es zwar keine eindeutige Antwort, denn die potenziellen Arbeitgeber wollen einfach nur sehen, wie die Kandidaten mit unerwarteten Situationen umgehen. Wenn man aber ruhig bleibt und sich nicht aus dem Konzept bringen lässt, dann kann während des Vorstellungsgesprächs fast nichts mehr schiefgehen. Natürlich sollte man sich nicht gleich nach dem Gehalt und dem nächsten Urlaub erkundigen, wenn man dem möglichen Arbeitgeber zum ersten Mal gegenübersitzt. Hält man sich außerdem noch an die gängigen Umgangsformen, kann nichts mehr passieren.

 

Letztendlich muss aber jeder mit seiner eigenen Persönlichkeit überzeugen. Doch ein fehlerfreier Lebenslauf und ein individuelles Anschreiben helfen in jedem Fall, den zukünftigen Arbeitgeber davon zu überzeugen, eine Einladung zum Vorstellungsgespräch abzuschicken.

 

Vielen Dank, Frau Barth, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben! Sie haben uns geholfen, unsere Bewerbungen mit mehr Selbstvertrauen anzugehen.

Steffi Kleber, FAKF 3 (März 2017)

 

DELF scolaire an der BFSF

 

Ende März 2017 wurden weltweit die DELF-Prüfungen für Schüler, das sogenannte DELF scolaire, durchgeführt. An der BFSF standen als zertifizierte Prüferinnen Daniela Fuhrmann und Judith Schieder zur Verfügung, die Vorbereitung auf das anspruchsvolle Niveau B2 lag in den Händen von Annelies Cipa und Judith Schieder. Sie bauten gezielt DELF-Übungen zum Hör- und Leseverstehen in ihren Unterricht ein und brachten den Schülerinnen u. a. bei, wie man einen argumentativen Text nach französischen Maßgaben verfasst.

 

Nachdem der schriftliche Teil an einem Samstagnachmittag bewältigt war, stand am Montag darauf der mündliche Ausdruck auf dem Programm. In einer Einzelprüfung musste jede Schülerin zunächst den Inhalt eines französischen Zeitschriftentextes erfassen und sinngemäß wiedergeben, bevor sie im Dialog mit Prüferin Judith Schieder ihre eigene Meinung zum Thema „verteidigte“.

 

Die Prüfungen werden von Muttersprachlern korrigiert und ausgewertet. Bis zum Ende des Schuljahres erwarten das Französisch-Team und seine Schülerinnen nun mit Spannung die Ergebnisse und die begehrten Diplome aus Paris: Diplôme d’études en langue française (kurz: DELF), Niveau B2!

 

Daniela Fuhrmann

 

Vorfreude auf die Prager Sommerschule

 

Valentina Pajaziti, Studierende in der FAKF 2 (links), hat ihre Liebe zur tschechischen Sprache entdeckt und legt sich beim Lernen richtig ins Zeug. Barbara Forster aus der BFSF 1 ist mit Tschechisch als zweite Muttersprache aufgewachsen, hat aber nur sprechen und nie richtig schreiben gelernt. Zur Belohnung für ihre Tüchtigkeit wurden beide für ein Stipendium an der „Sommerschule“ ausgewählt und werden ab dem 28. Juli einen vierwöchigen Sprachkurs an der Prager Karls-Universität absolvieren. Das Stipendium umfasst Kurskosten, Unterbringung, Verpflegung sowie ein Kulturprogramm an den Wochenenden. Es wird vom Tschechischen Ministerium für Schulwesen, Jugend und Sport in Koordination mit dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst vergeben. Dank ihrer Qualität stellt die Sommerschule eine echte Motivation für das Tschechischlernen dar und wird von allen bisherigen Kandidaten als einmaliges Erlebnis gewürdigt. Entsprechend groß ist die Vorfreude der diesjährigen Stipendiatinnen, auch deshalb, weil sie sich bei den nächsten Zertifikatsprüfungen der Karls-Universität im Herbst an ein höheres Sprachniveau wagen können. Herzlichen Glückwunsch!

 

Andrea Hielscher, April 2017

 

Delegation des Pilsener Bezirks besichtigt Europa-Berufsschule

 

Das deutsche duale Ausbildungssystem ist ein Renner und findet wegen seiner vielen Vorzüge im Ausland immer mehr Interesse. So würde es auch die tschechischen Nachbarn gern übernehmen, um der Industrie praxisnah ausgebildete Arbeitskräfte zu bieten und die Jugendarbeitslosigkeit besser in den Griff zu bekommen. Anfang April reiste auf Einladung von Thomas Würdinger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Weiden, eine kleine Delegation aus Pilsen in die Oberpfalz, um u. a. der Europa-Berufsschule einen Besuch abzustatten. Von der Abteilung Bildung, Jugend und Sport des Bezirks Pilsen waren deren Leiterin, JUDr. Jaroslava Havlí?ková, MBA, und der Bereichsleiter für das Schulwesen, Jaroslav Sokol, gekommen. Gedolmetscht wurde die Begegnung von Petr Arnican und Dr. Marta Potužníková, Leiterin des Welcome-Centers der Weidener Agentur für Arbeit.

 

Voller Stolz präsentierte Schulleiter Josef Weilhammer seine Schule mit Fakten und Zahlen, wobei er den Fokus auf die Vorteile der dualen Berufsausbildung legte: Die Zugehörigkeit zu einer Firma lasse junge Menschen früh Verantwortung übernehmen, die Betriebe könnten ihren Nachwuchs passgenau ausbilden und die berufliche Schiene ermögliche ähnlich gute und finanziell ähnlich attraktive Karrierechancen wie eine akademische Laufbahn. Ein zweiter Schwerpunkt der Europa-Berufsschule seien Fremdsprachen und Schulpartnerschaften in vielen Ländern. Hier spiele die Tschechische Republik wegen ihrer Nähe eine ganz besondere Rolle; Tschechisch sei zwar sowohl in der Berufsschule als auch in den Fremdsprachenschulen fester Bestandteil des Unterrichts, solle aber noch weiter ausgebaut werden.

 

Die Gäste verfolgten den Vortrag mit großem Interesse und bedauerten in der anschließenden Diskussion, dass eine Umsetzung deutscher Modelle in Tschechien, die Anerkennung von Berufsabschlüssen im jeweiligen Nachbarland oder sogar nur grenzübergreifende Ausbildungsprojekte allzu oft an bürokratischen Hindernissen scheiterten. Auf Wunsch der Pilsener Delegation endete der Aufenthalt an der Schule mit einem Rundgang durch die Werkstätten.

 

Andrea Hielscher (April 2017)

 

Nachbarschaftlicher Besuch in der Europa-Berufsschule: stellv. Schulleiter Thomas Neumann, Bereichsleiter Jaroslav Sokol (Pilsen), Geschäftsführer Thomas Würdinger von der Weidener Arbeitsagentur, Abteilungsleiterin JUDr. Jaroslava Havlí?ková (Pilsen), Dolmetscher Petr Arnican, Dr. Marta Potužníková vom Welcome-Center der Weidener Arbeitsagentur und Schulleiter Josef Weilhammer (v.l.).

Europa-Berufsschule beim EU-Jubiläum im Maximilianeum:

Complimenti Europa!? Aufbruch in eine gemeinsame Zukunft

 

Ein 60. Geburtstag ist ein Grund zum Feiern, selbst wenn sich das Geburtstagskind EU zurzeit wieder einmal in einer Krise befindet. Wohl um dieser Situation Rechnung zu tragen, setzten die Organisatoren des Festakts im Münchener Maximilianeum hinter den Titel ihrer Einladung „Complimenti Europa!?“ („Alles Gute, Europa“) gleich beides, ein Ausrufe- und ein Fragezeichen. Neben einer Reihe Ehrengäste kamen auch sieben Klassen aus mit der Europa-Urkunde ausgezeichneten Schulen zum Empfang, eine aus jedem bayerischen Regierungsbezirk, um die Geburtsstunde der EU bei der Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25. März 1957 zu feiern. Die Oberpfalz war durch eine internationale Gruppe aus der Europa-Berufsschule Weiden vertreten. Bei strahlendem Sonnenschein reisten 20 Studierende aus der Integrations-Dolmetscherklasse Arabisch-Deutsch und aus der Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen zur Europa-Party in die Landeshauptstadt. Begleitet wurden sie von Schulleiter Josef Weilhammer und den Lehrerinnen Andrea Hielscher, Jana Jodlbauer und Katharina Kiener.

 

Durch den Abend führte der Hörfunk- und Fernsehmoderator Tilmann Schöberl, den Zuschauern des Bayerischen Fernsehens bestens bekannt von Sendungen wie „Jetzt red i“. Die jungen Gäste – „Europas Zukunft“ – wurden von der Hausherrin des Maximilianeums, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, empfangen, die trotz oder gerade wegen des soeben bekannt gewordenen offiziellen EU-Austritts Großbritanniens die positiven Seiten Europas unterstrich: freier Personen- und Handelsverkehr, der es erlaubt, innerhalb Europas ohne Grenzen zu reisen, zu leben, zu lernen und zu arbeiten. Dies betonte auch Renato Cianfarani, der Generalkonsul der Republik Italien und Ehrengast des Abends, der dazu aufforderte, den „Traum der Generationen“ zu verwirklichen – nämlich in Sicherheit, Frieden und Einigkeit in einer immer globaler werdenden Welt zusammenzuleben. Die Römischen Verträge könnten als Ausgangspunkt für diese positive Entwicklung Europas gesehen werden.

 

Beistand für Flüchtlinge, Entwicklung der Bildungspolitik, Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, Lösung der Energiefrage, Maßnahmen gegen den Klimawandel: Dr. Werner Weidenfeld, Professor für angewandte Politikwissenschaften, zeigte sich zuversichtlich, dass Europa diese lange To-Do-Liste abarbeiten könne. Trotz Erfolgen habe die EU immer wieder Tiefschläge wegstecken müssen, es aber stets geschafft, sich von der „Eurosklerose“ zu erholen. Weidenfeld appellierte an jeden einzelnen, seinen Beitrag zu Frieden, Einigkeit, Solidarität und Integration zu leisten, damit die in Vielfalt geeinte EU an frühere Erfolge anknüpfen und zukünftigen Herausforderungen gerecht werden könne.

 

Es folgten die Stellungnahmen der Landtagsabgeordneten Dr. Franz Rieger (CSU), Georg Rosenthal (SPD), Dr. Hans-Jürgen Fahn (Freie Wähler) und Christine Kamm (Bündnis 90/Die Grünen) zu den europapolitischen Themen Wirtschaft, Soziales, Entwicklungshilfe und Landwirtschaft. Parteiübergreifend herrschte Einigkeit darüber, dass Europa eine Erweiterung des eigenen Horizonts und den Austausch zwischen den Menschen bedeutet. Die generell eher negative Einstellung gegenüber Brüssel, als „Brüssel-Bashing“ bezeichnet, sei ungerecht; Brüssel müsse aber versuchen, weniger abstrakt und näher am Bürger zu agieren.

 

Zwischen den Beiträgen wurden die Schüler immer wieder aufgefordert, mit ihren Smartphones an Abstimmungen teilzunehmen. Wie wichtig ist dir Europa? Ist die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern in der EU gelungen? Hast du schon an einem Schüleraustausch teilgenommen? Auch Fragen wie etwa zu den Werten der EU oder danach, wie ein heutiges Europas ohne den Impuls der Römischen Verträge wohl aussähe, konnte man sich live beantworten lassen. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der SeveNation Army aus Würzburg, die eindrucksvoll symbolisierte, wie das moderne Europa aussieht: Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren präsentierten Songs in sieben verschiedenen Muttersprachen mit Titeln wie „Wir sind alle eins“ oder „You and Me“.

 

Kann man der EU also zum 60jährigen Bestehen Komplimente machen, wie es ja der Titel der Veranstaltung vorschlägt und hinterfragt? Nach diesem gelungenen Abend waren sich alle Teilnehmer einig: Ja, ein großes Lob an unser Europa! Mit einem italienischen Büffet vom Feinsten und vielen interessanten Gesprächen zwischen den Gästen und politischen Mandatsträgern klang die Feier in entspannter Atmosphäre aus.

 

Katharina Kiener / Andrea Hielscher (März 2017)

 

Von seiner strahlendsten Seite zeigte sich das Maximilianeum in der Frontscheibe des Weidener Reisebusses.
Die Gruppe der Fachakademie kurz nach der Ankunft.
Schulleiter Josef Weilhammer im Gespräch mit Uta Löhrer von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (rechts).
Media und Randa aus der Integrationsdolmetscherklasse mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Italiens Generalkonsul Renato Cianfarani.
Die 160 jungen Zuschauer verfolgten aufmerksam die Beiträge zu europäischen Themen.
Rege Beteiligung gab es bei den Live-Abstimmungen mit dem Smartphone.

Stefan Friedl schafft DELF B2

 

Im März 2016 nahmen einige mutige Schüler und Schülerinnen der BFSF2 an der DELF-Prüfung auf dem Niveau B2 teil. DELF (Diplôme d’études en langue française) steht für Sprachprüfungen für Französisch als Fremdsprache auf insgesamt 6 Niveaus, vom Anfänger (A1 und A2) bis hin zu muttersprachlichem Niveau (C1 und C2). Wer das B2-Niveau schafft, ist demnach auf dem besten Weg zu dem Ziel, die französische Sprache wie ein Franzose zu beherrschen. Alle vier Fertigkeiten werden hierbei geprüft: Gesprochenes verstehen, Gelesenes verstehen, einen argumentativen Text verfassen und sich gewandt über verschiedene Themen unterhalten können.

 

Stefan Friedl hat diese Fähigkeiten unter Beweis gestellt und erhielt im November 2016 das begehrte Diplom aus Frankreich, das bei Bewerbungen unter Umständen das entscheidende Plus im Vergleich zu den Mitbewerbern bedeuten kann.

 

Seine Französischlehrerinnen Annelies Cipa und Daniela Fuhrmann überreichten das Diplom und gratulierten ihrem Schüler: „Bonne continuation et bonne chance, Stefan!“

 

Daniela Fuhrmann

 

Linda Wild (vorne) und Barbara Forster gingen mit ihren jungen Zuhörern auf Tuchfühlung.

Deutsch-tschechische Vorlesestunde in der Regionalbibliothek:

Maulwurf im Ohr

 

Krtecek, der kleine Maulwurf, ist verzweifelt. Da schmilzt ihm sein bester Freund, der kleine Schneemann, doch einfach unter der Frühlingssonne weg. Was tun?

Barbara Forster (BFSF 1) und Linda Wild (FAKF 1), die beide mit Tschechisch und Deutsch aufgewachsen sind, hatten die Antwort – und zwar zweisprachig. In der gemütlichen Kinderleseecke im ersten Stock der Regionalbibliothek lasen sie ihrem kleinen Publikum ein Abenteuer des von der „Sendung mit der Maus“ bestens bekannten kleinen Maulwurfs vor. Dazu hatten sie eine deutsche und eine tschechische Ausgabe der „Krtek“-Geschichten des tschechischen Autors Zden?k Miller mitgebracht.

Die jungen Zuhörer verfolgten gebannt die Erzählungen, interessierten sich auch für die fremde Sprache und scheuten sich nicht, die Vorleserinnen zu umringen, um sich die Bilder anzusehen. Am Ende der gemütlichen Stunde konnten die Kinder noch selbst einen kleinen Maulwurf aus Moosgummi, Pfeifenreiniger und einer Toilettenpapierrolle basteln.

Das zweisprachige Vorleseangebot wird von Ruth Neumann, der Leiterin der Kinder- und Jugendabteilung in der Regionalbibliothek Weiden, organisiert, die sich für die diesjährigen Veranstaltungen auch an Andrea Hielscher, Tschechischlehrerin an der Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen, wandte. Diese Saison fanden bereits Lesungen in englischer, französischer und arabischer Sprache statt.

Barbara Forster / Linda Wild / Andrea Hielscher (März 2017)

 

Stolz auf die neuen Ordner: die Klasse IFK-V10B mit Manfred Wichmann, Abteilungsleiter Integration (oben, 2.v.r.), Staatssekretär Bernd Sibler (oben r.), Prof. Dr. Rupert Hochholzer (unten l.) und Dr. Josef Kirmeier vom MPZ (oben, 3.v.l.)
Mit einem Knoten im (Tempo-)Taschentuch erinnerte Josef Weilhammer Staatssekretär Sibler daran, seine Mitarbeiter am Ministerium für die hervorragende Unterstützung der Schulen besonders zu loben.
Technik macht’s möglich – ein Bildschirm und Skype übertragen Dolmetscherin Media in die Aula der Berufsschule.
Staatssekretär Bernd Sibler informierte sich über die Herkunft der jungen Asylbewerber und nahm sich Zeit für ihre Sorgen und Ängste.

Staatssekretär Bernd Sibler zu Besuch an der Europa-Berufsschule:

Anerkennung für musterhafte Integrationsarbeit

 

„Das bin ich – Hier lebe ich – Das mache ich – Wer kann mir helfen?“ Praktische und sprachliche Unterstützung im Alltag bietet der Materialordner „Mein Leben in Bayern“, mit dem die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit und das Museumspädagogische Zentrum (MPZ) jugendlichen Flüchtlingen den Weg in die deutsche Gesellschaft ebnen wollen. Ein Erfolgsprojekt – rund 20 000 Exemplare befinden sich bereits im Umlauf, und einige davon stehen jetzt auch den Schülern der Weidener IFK-V10B zur Verfügung. Überreicht wurden sie von Bernd Sibler, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Wissenschaft und Kunst (StMBW), bei seinem Besuch an der Europa-Berufsschule Mitte März.

 

Vor einem jungen, internationalen Publikum sowie Vertretern von Politik und Bildungseinrichtungen gaben drei Mediencoaches des Bayerischen Rundfunks außerdem den Startschuss für ihr Kurzfilm-Projekt „here’s my story“ an der Schule. Mit ihnen lernen die Schüler, sich selbst – ihr bisheriges Leben, ihre Flucht nach Deutschland, ihre Zukunftsträume – technisch und künstlerisch in einem Videoclip in Szene zu setzen. Seit September 2013 sind bereits 600 solcher Filme entstanden.

 

Besonderen Eindruck auf die Gäste machte die Kurzpräsentation „Videodolmetschen“ der BI-Klasse für deutsch-arabische Integrationsdolmetscher. Ein junger Syrer richtete ein arabisches Grußwort an den Gast aus München, das von seiner Klassenkameradin in der zwei Kilometer entfernten Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen per Skype ins Deutsche übersetzt und in die Aula der Berufsschule übertragen wurde.

 

„Die Grenzen der Bildung sind die Grenzen der demokratischen Gesellschaft“, mahnte Schulleiter Josef Weilhammer in seinem Begrüßungswort und betonte damit den Auftrag der Schulen, Integrationsarbeit zu leisten und den Flüchtlingen zu helfen, eine komplexe Gesellschaft verstehen zu lernen. Den Materialordner „Mein Leben in Bayern“, der von Prof. Dr. Rupert Hochholzer und dem Lehrstuhl „Deutsch als Zweitsprache“ an der Universität Regensburg wissenschaftlich begleitet wurde, lobte er als „wertvolle Hilfe zur Demokratieerziehung“.

 

Staatssekretär Bernd Sibler bezeichnete den Ordner als wichtige Arbeitsgrundlage für Lehrer, aber auch als Mittel, um die jungen Leute zur Selbstreflexion über ihre Herkunft und ihre Zukunftspläne anzuregen. Sein besonderer Dank galt den Lehrern, die sich der neuen Aufgabe weit über ihre normalen Verpflichtungen hinaus „mit Leidenschaft“ widmeten. Erfreut zeigte sich Sibler über die zweieinhalbtausend Planstellen an Schulen, die in Bayern aufgrund des Flüchtlingsstroms geschaffen worden seien.

 

Landtagsabgeordnete Anette Karl würdigte den Ordner nicht nur als Grundlage für die Bewältigung des täglichen Lebens, sondern auch für den Einstieg in den Beruf, den nächsten großen Schritt zur Integration. Hermann Brandl, Geschäftsführer der vbw-Gruppe Oberpfalz (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.) bot die Unterstützung seines Verbandes beim Prozess der Berufsorientierung an, der angesichts sich wandelnder Berufsbilder immer schwieriger werde. Er wies in diesem Zusammenhang auf die Sponsorentätigkeit des Verbandes und diverse Aktionen wie z. B. einen Berufs-Eignungstest auf der Homepage hin.

 

Wie wichtig gelungene Integration ist, legte Bezirkstagsvizepräsident und Bürgermeister Lothar Höher, der die Grüße der Stadt Weiden überbrachte, eindrucksvoll anhand von Zahlen dar. 9500 der in Weiden lebenden Menschen seien nicht in Deutschland geboren – das entspreche fast einem Viertel der Stadtbevölkerung. „Deutschland wird daran gemessen, wie es mit diesen Menschen umgeht“, betonte Höher und hob die Schlüsselrolle der Schulen bei dieser Aufgabe hervor. Die Europa-Berufsschule nannte er einen „Leuchtturm“, denn sie leiste hier exemplarische Arbeit.

 

Bei einem kleinen Büfett, liebevoll vorbereitet von Fachoberlehrerin Anna Hanauer und präsentiert von einem Team der Bäckerei-Fachverkäufer/innen, konnten sich die Gäste vor dem internen Teil des Programms stärken.

 

Andrea Hielscher, März 2017

 

Duale Ausbildung für Tschechien:

Vertreter der Europa-Berufsschule bei Abschlusskonferenz in Prag

 

Zur Abschlusskonferenz Duale Berufsausbildung reisten Schulleiter Josef Weilhammer, sein Stell-vertreter Thomas Neumann und die Fachbetreuerin für Fremdsprachen, Andrea Hielscher, am Fa-schingsdienstag nach Prag. Eingeladen hatten die Deutsche Botschaft Prag und das Ministerium für Schulwesen, Jugend und Sport der Tschechischen Republik, in dessen Räumen die Veranstaltung stattfand. Die Abschlusskonferenz wurde von Dr. David Michel, Vertreter des Verbindungsbüros des Freistaates Sachsen in Prag, gewohnt souverän geleitet.

 

Begrüßt wurden die Vertreter von Ministerien, Kammern, Betrieben und Bildungseinrichtungen aus Tschechien, Sachsen und Bayern von Jakub Dürr, stellvertretender Leiter der Europa-Abteilung des tschechischen Außenministeriums, und dem Gesandten Hansjörg Haber, Geschäftsträger a. i. und Leiter der Deutschen Botschaft. Marta Stará, Leiterin der Abteilung für Berufsschulen am Schulmi-nisterium, und Rebecca Kaš?ns, Leiterin der Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft, fassten die Ergebnisse der vorangegangenen Expertentreffen zusammen, in deren Mittelpunkt die mögliche Gründung einer deutsch-tschechischen Bildungseinrichtung nach den Grundsätzen des deutschen dualen Ausbildungssystems stand. Die Digitalisierung der Arbeitswelt, akuter Fachkräftemangel und die schwindende Beliebtheit technischer und handwerklicher Berufe stellten in beiden Ländern ein Problem dar; in Tschechien werde dazu eine zu wenige praxisnahe Ausbildung beklagt.

 

In seinem Vortrag über die Zusammenarbeit von Schulen und Firmen gab Dr. Petr Bannert, Leiter der Abteilung für höhere Fachausbildung am Schulministerium, Grund zum vorsichtigen Optimis-mus: Die Zahlen der Schüler in Ausbildungsverhältnissen stiegen leicht an, Eltern ließen sich von der Arbeitsplatzsicherheit praktischer Berufe leichter überzeugen und die Zufriedenheit von Arbeit-nehmern an nicht-akademischen Arbeitsplätzen wachse ebenfalls. Man verspreche sich einiges von einem neuen Ausbildungsgang, der nach der Hauptschule in drei Jahren einen Berufsabschluss und nach einem vierten Jahr das Fachabitur biete. Bannert mahnte an, man müsse kleinen und mittleren Betrieben mehr Möglichkeiten geben, mit Berufsschulen zusammenzuarbeiten; außerdem müsse die Berufsberatung an Schulen gestärkt werden.

 

Im Anschluss stellte Helena Slivková, Leiterin der Abteilung für Berufliche Ausbildung bei DZS (Haus für die Zusammenarbeit mit dem Ausland), Möglichkeiten für Auslandspraktika im Rahmen des europäischen Programms Erasmus + vor. Leider könne man nicht alle interessierten Schulen be-rücksichtigen, da es inzwischen mehr als doppelt so viele Antragsteller wie Kapazitäten gebe. Nach Großbritannien liege Deutschland zurzeit an zweiter Stelle der Beliebtheitsskala der tschechischen Jugendlichen. Dann stellte Prof. Dr. Rolf Koerber von der TU Dresden den Modellversuch KAtLA (Kooperative Ausbildung im technischen Lehramt) vor, ein duales Studium für Berufsschullehrer. Damit werde derzeit erfolgreich versucht, dem akuten Lehrermangel entgegenzuwirken.

 

Diese letzte Konferenz, so betonten Marta Stará und Rebecca Kaš?ns in ihren Schlussworten, setze dem deutsch-tschechischen Dialog zu diesem Thema keineswegs ein Ende; es werden weitere Tref-fen folgen. Eines hat der Anstoß zu einer deutsch-tschechischen dualen Ausbildungseinrichtung durch die Deutsche Botschaft doch gebracht: Es ist Bewegung in die Politik gekommen. So legte zumindest ein Vertreter des tschechischen Außenministeriums die Situation im Gespräch mit Josef Weilhammer dar. Zwischen den tschechischen Ministerien sei so etwas wie eine fruchtbare Konkur-renz entstanden; man überbiete sich derzeit geradezu, um neue Impulse für eine bessere Verzahnung von Schule und Arbeitswelt zu setzen.

 

Andrea Hielscher, Februar 2017

 

Lokaltermin beim Italiener: Stadtmarketing-Chefin Andrea Schild-Janker (links) trifft sich mit Studierenden der FAFK 3 bei einer Arbeitssitzung im Rahmen des deutsch-tschechischen Übersetzungsprojekts

Deutsch-tschechisches Übersetzungsprojekt der FAKF 3:

Weidener Willkommenskultur für die Nachbarn

 

Wie übersetzt man einen Salat namens „Rumzicken verboten“ ins Tschechische und warum heißt er überhaupt so? Aha – weil Ziegenkäse drin ist. Frühstückt man im Nachbarland auch mit „Rosensemmeln“? Wie kann man dem tschechischen Hotelgast das „Nackenkissen“ erklären, das er sich an der Rezeption für die Nachtruhe bestellen kann? Und was sollen die „zarten Wiesengrasnoten und weichen Tannine“ in der Weinkarte eigentlich bedeuten?

 

Etliche harte Nüsse gibt es für die zehn Tschechischlernerinnen der FAKF 3 zu knacken, die sich auf ein Übersetzungsprojekt besonderer Art eingelassen haben. Dank der Initiative der Fachbetreuerin für Fremdsprachen, Andrea Hielscher, und der Koordination von Stadtmarketing Weiden flattern seit Ende Januar Speisekarten, Hotel-Handzettel oder Texte von Laden-Aufstellern an der Fachakademie ein, die professionell ins Tschechische übersetzt werden wollen. Das Ziel von Stadtmarketing-Chefin Andrea Schild-Janker: Weidens Einkaufs- und Freizeitwelt soll zweisprachig werden. Man will den zahlreichen Gästen von nebenan, die 2016 für einen Umsatz in Höhe von 13,2 Millionen Euro sorgten, Willkommenskultur bieten. Ein Plus der Aktion: Die zukünftigen Übersetzerinnen der Fachakademie arbeiten zur Freude der Auftraggeber kostenlos.

 

Andrea Schild-Janker ist begeistert von der Resonanz ihrer Weidener Kundschaft, die per Newsletter von dem Gratis-Übersetzungsangebot informiert wurde: „So viel Echo hatten wir noch nie!“ Und der FAKF 3 macht die ungewohnte Arbeit, die sich wohltuend vom normalen Schulunterricht unterscheidet, richtig Spaß. In den Arbeitsgruppen sitzen ein paar echte Cracks, zum einen zwei waschechte halbe Tschechinnen mit zweisprachigem familiären Hintergrund, zum anderen Fans des Nachbarlandes, die bereits jetzt ihre Fühler nach Arbeitsstellen in Tschechien ausstrecken und entsprechend für die Sprache motiviert sind. Unterstützt von Online-Wörterbüchern und tschechischen Internetseiten machen sich die Gruppen auf die Pirsch nach authentischen Übertragungen in die Zielsprache. Dank Korrekturleserin Jana Jodlbauer, Lehrerin aus Tschechien und in beiden Kulturkreisen zu Hause, liefern die Teams handwerklich einwandfreie Arbeit.

 

Schützenhilfe bekommt die Aktion vom Mitarbeiter des Neuen Tages, Siegfried Bühner, der das Projekt in der Presse vorstellt. Für die FAKF 3 und Stadtmarketing Weiden Propaganda im besten Sinn des Wortes – und sicher ein weiterer Schritt in Richtung zweisprachige Dienstleistungen für die Nachbarn aus Tschechien.

Andrea Hielscher, Februar 2017

 

 

Infoabend für zukünftige Übersetzer und Dolmetscher

 

Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt

(Ludwig Wittgenstein)

 

Die Staatliche Fachakademie für Übersetzen und Dolmetschen lädt alle Schüler, die eine Ausbildung zum Staatlich geprüften Übersetzer und Dolmetscher machen möchten, zum Infoabend am Dienstag, 31. Januar, um 18 Uhr in die Aula der Fachakademie (2. Stock), Luitpoldstraße 24, 92637 Weiden, ein. Dabei werden Schüler und Eltern über die Aufnahmevoraussetzungen, die verschiedenen Sprachausbildungen, die Anforderungen der praxisorientierten Ausbildung und die beruflichen Perspektiven umfassend informiert. Die Fachakademie steht allen jungen Menschen offen, die erfolgreich an der staatlichen Abschlussprüfung für Fremdsprachenkorrespondenten teilgenommen haben oder die allgemeine bzw. fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife besitzen.

Im Anschluss an die Veranstaltung stehen Schulleitung sowie Fach- und Beratungslehrer für Einzelgespräche zur Verfügung.

 

(Flyer)